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schreiben - lesen - gewinnen

der so genannte literaturbetrieb hat seine festen rituale, denn er betreibt ein ernstes geschäft, das der literatur. dabei stehen viele autoren in den startlöchern, sofern eine reihe von lektoren sie lassen, sofern wenige verleger sie drucken, sofern viele buchhändler ihre schriften in die schaufenster stellen, sofern eine große kundschaft kauft. das ganze nennt sich auflage im buchmarkt. die leserschaft ist das große experimentierfeld der überzeugung.

in dieser betriebsamkeit spielen die vielen autoren, also die urheber besagter schriften, eine lieferantenrolle: sie liefern die manuskripte. manchmal haben sie glück und sie erhalten im öffentlichen raum die höheren weihen zum schriftsteller durch die berufsleser, auch buchkritiker oder rezensenten genannt, später dann zum dichter, noch später zum genie durch die germanisten an den universitäten. dann wandeln sie sich – oft posthum - zu bestsellerautoren.

Die Gruppe 48 (DG48) kennt dieses prinzip und möchte dem eine variante andocken. sie plant jährliche ausschreibungen zu literaturwettbewerben, die weniger bekannten autoren im deutschsprachigen raum eine möglichkeit eröffnen sollen, öffentliche aufmerksamkeit zu erlangen, sofern die texte oder gedichte qualität haben und sich „einmischen“, also nicht epigonal vorhandenes kopieren, sondern originell aspekte aus der aktuellen lebewelt spiegeln, durchaus kontrovers und zum selber denken anregend.

das vorbild hierzu ist die historische Gruppe47 aus der gründerzeit der Bundesrepublik Deutschland, deren texte sich ebenfalls eingemischt haben. aus ihr sind legendäre autoren (z.b. Günter Grass) hervorgegangen, wie auch Heinrich Böll, der zum hundertsten geburtstagsjubiläum in diesem jahre im fokus der stadt Köln steht.

auf der homepage der DG48 findet man den ausschreibungstext und alle kontaktangaben. es winken lukrative preise.

die vielen einlaufenden prosatexte und gedichte werden anonymisiert und der jury zugeleitet, die von dr. Heiger Ostertag, autor und lektor, stringent geleitet wird. am ende des auswahlprozesses werden die kandidaten eingeladen, ihre texte coram publicum zu verlesen, ein wichtiger schritt. denn so manch ein guter text kann durch schlechtes lesen vermurkst werden. also nicht nur einsenden, auch lesen üben, üben, üben.

abschließend werden die anwesenden mitglieder der DG48 den sieger küren, ein an das damalige, interne verfahren der Gruppe47 angelehnter prozess. 

litbiss ermutigt zum mitmachen und wünscht allen eine faire chance.  

© 18.03.2017 brmu / jury-mitglied
genderhinweis: personenbezeichnungen gelten m/w

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markeG47artikel

aus der historie der Gruppe 47: im Mai 1964 reiste Hans Werner Richter, motor des „freundeskreises G47“, selbstherrlich zu einer anberaumten pressekonferenz, um über eine geplante tagung der G47 (in offizieller mission in Schweden) vorab zu berichten. aus dem freundeskreis wird eine art „diplomatische vertretung“. ein novum in der geschichte der G47 und kristallisationspunkt der beginnenden selbstzerlegung, weil vielen mitgliedern die dinge zu kommerziell und offiziell geworden waren.

Martin Walser bringt es in Die Zeit am 3. Juli 1964 auf den Punkt:“ Wenn ich in eine Universität komme, um dort etwas vorzulesen, und ich sehe auf dem Plakat unter meinem Namen die Zeile >Mitglied der Gruppe 47<, …, dann erschrecke ich ein bißchen, ich ziehe die Luft ein, und siehe: es riecht nach Markenartikel.“

Walser fordert eine öffnung der G47 für alle und eine jury, den andrang zu sichten, damit „jeder Hauch von Klüngelei, Verschwörung, Herrschsucht und so weiter weg“ sei.

über 50 jahre später: >Die Gruppe 48< ist für alle offen, hat eine jury, liest öffentlich und vertritt ausschließlich literarische interessen.

© 04.03.2017 brmu
aus: Helmut Böttiger, Die Gruppe 47, DVA 2012, seite 345ff.

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ver Ball hornung

Ich bin der Geheimnisse lächelnder Ketzer,
ein Buchstabenkönig und Alleszerschwätzer.
Ein Spötter, ein Dichter, ein Literat -
streu ich der Worte verfängliche Saat.

drum glaubt mir kein wort und seid auf der hut
denn was ich schreibe ist niemals nur gut
es mischt sich auch ein in euer leben
dann, wenn sich resonanzen ergeben

© 02.03.2017 brmu
zitat aus: Hugo Ball, Gesammelte Gedichte, Zürich 1963, seite 40-42, Der Literat, auszug

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gute dichter

 „Gute Dichter ziehen aus, neue Sprachterritorien zu erbeuten. … Sie wollen Neuland gewinnen und erforschen – denn sie wissen, daß sich die Sprache unentwegt wandelt.“

„Aber selbst unter den Autoren, die in ihren Versen der steten Spracherneuerung auf den Fersen bleiben, bilden sich immer wieder fade Konventionen heraus.“

© 24.02.2017 brmu
zitat: Uwe Wittstock rezensiert das gedicht „Tankwart“ von Matthias Politycki in der Frankfurter Anthologie, Insel Verlag 1997, bd.20, seite 227

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frisch gegründet - halb gewonnen

Dr. Hannelore Furch, initiatorin von „Die Gruppe 48“, gibt litbiss.de ein interview.

über mich finden sie auf meiner website informationen zu meiner person und zu meinem werk wie gedichte, kurzgeschichten und  leseproben zu weiteren erzählwerken.

durch meine germanistische ausbildung konnte ich mir den blick schärfen aufs eigene werk, aber auch auf die gegenwartsliteratur insgesamt, weil er fortan den text als gesamtheit durchdringt. das mit hilfe des 5w-spektrums, heißt: wie, warum, wo und wann was erzählt wird. dabei hängt alles miteinander zusammen. für mich bildet sich immer schnell das "wie" als leitend heraus. viel erzähltheorie  ist in meiner dissertation "Der Erzählerdiskurs. Die Erzählweisen in Unkenrufe und Im Krebsgang von Günter Grass" eingearbeitet.

dabei hat mich immer der grundsatz geleitet: schau so kritisch drauf, wie es geht, aber vergiss dabei nie, dass die so genannte betriebsblindheit die urteilfähigkeit über die eigenen produkte stark einschränkt. 

mein erstes romanmanuskript habe ich vor dreißig jahren geschrieben, es war stark autobiografisch. ich habe damals vergeblich versucht, es bei verlagen unterzubringen, es dann aber in der schublade verschwinden lassen, wo es heute noch liegt. wenn ich heute hineinlese, denke ich immer: viel zu langatmig und berichtsmäßig geschrieben und sich in unwichtigen details verlierend. dass ich das nicht unterbringen konnte, ist doch klar.

die schriftstellerei hat für mich einen reiz, denn es ist eine wunderbare art, alles, was einen interessiert, für sich selbst und damit auch für andere als literarisches produkt aufzuarbeiten.

mein lieblingsthema ist schwer zu beantworten, da jedes meiner bisher sieben literarischen werke einen anderen themenschwerpunkt hat.

auf die idee, eine literatengruppe zu gründen, kam ich im herbst 2015 im gespräch mit schriftstellerkollegen. ich wollte etwas überregionales, etwas mit internationalem einschlag, und hatte den vorschlag: warum nicht so eine ähnliche gruppe gründen, wie es die ende der sechziger jahre untergegangene Gruppe 47 war. solch ein projekt reizte auch die literaturwissenschaftlerin in mir.

der name >Die Gruppe 48< ist bewusst gewählt, obwohl der name vielleicht zu anmaßend, die vorbildgruppe zu groß bzw. zu bedeutend erscheint, als dass man hier anknüpfen könnte. letztendlich entschlossen wir uns für den namen in erweiterter form, nämlich Die Gruppe 48. er bedeutet die lose verbindung zur Gruppe 47, deren veranstaltungskonzept wir im großen und ganzen übernehmen. die zahl 48 steht dabei nur in der bedeutung einer folgezahl zur Gruppe 47. wir wollen nämlich in der literaturszene einen kleinen reiz setzen, damit man mal schaut, was da mit uns ist. dass nun unsere erste große wettbewerbsveranstaltung am 10.09.2017 genau mit dem datum zusammenfällt, an dem sich vor siebzig jahren die Gruppe 47 gründete, werten wir mal als ein gutes omen für unsere gruppe.

unsere orientierung liegt dabei auf einer jährlichen wettbewerbsveranstaltung mit vorhergehender öffentlicher ausschreibung. auf dieser wettbewerbsveranstaltung lesen sechs bis acht zuvor von unserer jury ausgewählte autorinnen und autoren ihre texte. es wird zugehen, wie auf unserer homepage in unseren richtlinien und auch in der aktuellen ausschreibung mitgeteilt.

wir wollen in der sache folgendes erreichen: wir möchten mithelfen, talentierten urhebern eine startmöglichkeit zu einer schriftstellerlaufbahn zu geben. dabei haben wir im auge, dass autorinnen und autoren, die für die wettbewerbsveranstaltung ausgewählt wurden, in ihren schriftstellerischen ambitionen gestärkt werden. kurz und gut: unsere aufgabe ist die förderung guter deutschsprachiger literatur.

literatur soll nicht nur unterhalten, sondern sich auch einmischen, darum haben wir in unseren richtlinien verankert, dass literatur, die sich einmischt, von uns bevorzugt wird, gemäß unserem vorbild, der Gruppe 47.

dazu wir haben einen wettbewerb ausgeschrieben, der alle deutschsprachigen autorinnen und autoren aufruft, sich an unserer ausschreibung zu beteiligen. es sind einige qualitätsmerkmale vorgegeben (ausschluss bestimmter gattungen wie z.b. schmunzel- und gebrauchsliteratur). ansonsten gibt es nur zwei bedingungen: die autorin, der autor muss volljährig und sein text unveröffentlicht sein.

frau dr. Furch, vielen dank für das interview.

brmu / 20.02.2017

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Die Gruppe 48

aus der so genannten trümmerliteratur entstanden, war die „Gruppe 47“ unter der ägide von Hans Werner Richter (1908 – 1993) ein einflussreiches treffen (1947 – 1967) von jungen autorinnen und autoren der ebenfalls jungen Bundesrepublik Deutschland.  

die treffen fanden auf einladung von H.W. Richter statt und waren runden des vorlesens und der gegenseitigen kritik ohne feste strukturen. in einer demokratischen abstimmung wurde bei jedem treffen abschließend „Der Preis der Gruppe 47“ vergeben, der oftmals ein start zu einer literarischen karriere war.

Die Gruppe 48“ möchte sinn und methode der G47 wieder aufnehmen und eine lose vereinigung deutschsprachiger literaten sein mit dem ziel, preiswürdige literatur aus dem deutschsprachigen raum zu entdecken und zu fördern. sprachliche und inhaltliche qualität der texte sind uns dafür maßgebend. besonders gewichtig ist uns literatur, die sich einmischt - wie eben bei der Gruppe 47.

autor und blogger Bernhard Ulbrich ist auf einladung von Fr. Dr. Furch als initiatorin der gruppe seit dem 15.12.2016 gruppenmitglied. weiteres folgt.

© 16.12.2016 brmu

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