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arbeitsbündnis im exil

exil-literatur ist nicht etwa eines der vielen verkaufsträchtigen genres im literaturbetrieb heutiger zeit, sondern ein sammelbegriff für die werke all jener autor/-innen, die in der dunkelzeit nazi-deutschlands vertrieben wurden oder noch rechtzeitig vor dem tode fliehen konnten. die tatsache, dass es diesen begriff gibt, ist eine immer noch nachwirkende schande. kein wunder, dass auf dem wege der verdrängung kein aufhebens davon gemacht wurde.

aber in der dritten generationen nach der stunde null ändert sich das bild allmählich. exil-literatur ist in der diskussion, auch dank solch informativer sachbücher wie Rumlers „Exil als geistige Lebensform1. und das ist dringend nötig, weil die aufarbeitung literarischer vergangenheit wie in dem roman „Sunset“2 die unterfütterung von fakten benötigt.

herrscht in den aktuellen romanen zu diesem thema die zuzubilligende freiheit des autors vor, fiktion und fakten zu vermengen, wer sich mit wem wie wo wann unterhalten hat et cetera, so präsentiert Rumler klare kante. das am prominenten beispiel des arbeitsbündnisses von Bertolt Brecht, dem emporstrebenden, mit Lion Feuchtwanger, dem arrivierten seiner zeit.

es ist erstaunlich, beide verband lebenslang eine symbiose auch oft spannungsreicher zusammenarbeit, von der vor allem Brecht profitieren konnte. während sein literarischer tutor, türöffner bei verlagen bis hin zum kritischen lektor und co-autor, dem gedächtnis der heutigen leserschaft entschwand, ist er dank seiner politischen ausgerichteten werke noch immer präsent. das mag daran liegen, dass Feuchtwanger österreichischer herkunft war und bis zu seinem tode in den USA lebte. Brecht hingegen in die damalige DDR umsiedelte und dort furore machte. das war im deutschunterricht der schulen des letzten jahrhunderts, hüben wie drüben, allemal ein gefundenes lesen und interpretieren.

Andreas Rumler bietet der leserschaft in verständlicher sprache und im ausgewogenen fokus eine menge von daten und werkhinweisen beider autoren, so dass man sich ein gutes bild machen kann, wovon Modick in seinem roman eigentlich schreibt. „Exil“ ist ein gut lesbares, historisch-essayistisches buch von handhabbarem umfang, angereichert mit nicht alltäglichem bildmaterial dieser beiden granden der deutschsprachigen literatur.

© 22.11.2016 brmu
1 Andreas Rumler, Exil als geistige Lebensform – Brecht+Feuchtwanger – Ein Arbeitsbündnis, Edition A B Fischer, 2016
2 Klaus Modick, Sunset, eichborn 2011

 

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