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bacons finsternis

Wilfried Steiner, Bacons Finsternis, Deuticke Verlag 2010, seite 22; der ich-erzähler, Arthur Valentin, versucht, über den weggang seiner frau Isabel hinweg zu kommen:

„Ich saß und trank und aß und wartete. Gelegentlich fasste ich Mut und griff mir ein Buch. Hier waren sie doch, meine privaten Gegenwelten, jahrzehntelang durchstreunt, gesicherte Hochplateaus für den Flüchtling aus den Niederungen des Alltäglichen. Ich musste nur wieder dort hinauf, schon wäre ich gerettet! Doch beim Lesen verlor ich rasch den Halt, rutschte auf den Sätzen aus, kollerte über Absätze hinweg und kam erst auf dem Grund der Seite zum Liegen. Dort lag ich dann, auf dem Rücken; Ärmchen und Beinchen zappelten dem fernen Himmel entgegen. Kletterte über einzelne aus den Textblöcken ragende Wörter wieder nach oben, hielt mich kurz fest an einer wundervollen Wendung, zog mich hoch an einem Bild, war wieder ganz oben, bereit für den kontrollierten Abstieg, schön langsam, ein Schritt, ein Gedanke nach dem anderen, doch schon brach wieder ein Stein weg, und eine Lawine aus Geröll riss mich zurück ins Tal.“

an die leser/innen:
das liegt nicht am buch
an der falschen wahl
am unscharfen lesen
denn wirrnis ist fluch
oft und allzumal
aus verstörtem wesen
von außen und innen

© 23.08.2013 brmu

 

 

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