litbiss.de

Humboldt schon

Die Tropenwälder fällt man, brennt man ab,
die „Waldvernichtungsrate“ liegt pro Jahr
bei etwa zwanzig Millionen Hektar.
Der Ablauf: Nutzholz wird herausgeholt,
der große Rest wird abgebrannt, gerodet,
die Asche düngt den Boden knapp zwei Jahre;
den Nährstoff, löslich, nahm die Pflanzendecke auf,
doch die ist nun zerstört, die Erosion beginnt;
Versteppung, bald auch Wüste; Klimawechsel.
Ballade von der großen Weltzerstörung -
die braucht, bei größter Kompression der Daten,
zu viele Zeilen: ein Gedicht erstickt daran.
Weit mehr als 1000 Seiten lang: Bericht
an einem längst schon abgewählten Präsidenten;
ich les das Buch kapitelweise, setze Zeichen,
das Hirn, es nimmt sich selbst in Pflicht;
als Kür jedoch –

das prosagedicht (anfang zitiert) mit dem titel „Humboldt, eine Episode“ von Dieter Kühn steht in seinem gedichtband „Schnee und Schwefel“ im Suhrkamp Verlag 1982, seite 52-54, es endet mit den zeilen: „Ballade von der großen Weltzerstörung fortgesetzt / mit neuen Wörtern, Namen, Daten, Fakten –

unvollendete ballade fort laufender welt zerstörung

Humboldt, du beschriebst: was war
wer beschreibt der frevel schar
die wir heutigen verbrechen
wer bezahlt die hohen zechen
die in der wirt.schaft sind bestellt
¡ die mor-gi-gen-n-n ! das echo gellt
in grauen häuserschluchten ständig
wo das pflaster erosion gebändigt
damit der staub nicht lästig sei
die menschheit brütet auf dem ei
der lehm geschaffenen Πανδώρα
schon längst versagen ora et labora
sprüch’: ein gedicht erstickt daran
sprachbetäubung* steht uns dann

© 21.01.2014 brmu
*zitierter titel eines weiteren gedichtes, s. o., seite 86-87

 

 

Kommentare

Derzeit gibt es keine Kommentare. Schreibe den ersten Kommentar!
Gäste
Donnerstag, 19. Oktober 2017

Sicherheitscode (Captcha)