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im frühjahr zum ARE, wir zieh'n fallera

man muss es zugeben, das ehemals mäusisch wimmelnde Mauseum lebt nun von altem glanze; die mäuse sind massenhaft ausgewandert zu Eckernförders gestaden. das hat aber das publikum nicht davon abgehalten, den drei autoren des Autorenkreises Rhein Erft (ARE) in der Frühjahrs-Lesung interessiert zuzuhören.

den reigen eröffnete der neuling im ARE, Rainald Hahn. er trug uns seine gedanken zu dem so genannten „Richterfenster“ im Kölner Dom vor, betitelt: „Kunst, Kreativität und Zufall – Kultur als Streit vertreibender Zeitvertreib“, die es in sich hatten. auf den punkt gebracht: mit einfachen algorithmen, sinnbild für unbegrenzte optionen, hat der künstler Gerhard Richter einen auswahlprozess gestaltet, der letztlich zu der völlig abstrakten und stochastischen anordnung der farbflächen in dem domfenster führte. das schöpferische sei also ein schöpfen aus unzählbaren möglichkeiten, die sich dem kreativen menschen darbieten. das essay als eine im ARE neue form des literarischen ausdrucks wurde im rahmen der kontroversen diskussion um das Richterfenster angefertigt.

den gedankenschweren boden verließ Rolf Polander mit seinen leicht-luftigen gedichtperlen. sie schwebten davon wie ein luftballon aus clownesker dichterhand, die den neuesten lyrikband „In Versen verzettelt“, 2016 im Shaker Media Verlag erschienen, geschrieben hatte. mit scharfer beobachtungsgabe hielt er uns den spiegel hin, auf dass wir uns in seinen kurzen, sich reimenden sentenzen wiedererkennen mögen mit all unseren macken. in der diskussion beteuerte er, nicht zwanghaft nach den reimen zu suchen, sondern die ihm zufliegenden den gewünschten aussagen entsprechend locker zu arrangieren. also nicht: reim’ dich oder ich fress’ dich als maxime. dennoch, wer heute in gefälliger form nachdenkenswertes darbietet, der gerät immer wieder in die frage der übereinstimmung von form und inhalt. die modernen haben sich vorgenommen, die gedichtformen bis zur unkenntlichkeit zu zertrümmern, um die zerütteten zeiten zu repräsentieren – das ist nicht das ding von Polander. in einer schmeichelnden verpackung bietet er menschheitskritisches an. in der hoffnung, es bliebe so besser haften.

das ding von Andreas Schnabel sind tote. tote am laufenden bande in seinen inzwischen sieben krimis im umfeld von Mallorca, seiner zweitheimat. als intimer kenner der verhältnisse dort traut er sich nicht nur in das metier von mord und totschlag, sondern packt auch brisante, unbewältigte themen der dunklen zeiten spaniens an. wer die krimis in der reihe ihres erscheinens liest, der wird feststellen, dass sein protagonist Michael Berger, deutscher ex-kriminalist, eine entwicklung vom traumatisierten mann aus privatem unglück zum humorvollen bräutigam erneuter, glück verheißender beziehung zur gräfin Rosa von Zastrows durchmacht. mehr wird nicht verraten. lesen sie selbst: „Tod unter Pinien – Mallorca Krimi“ aus dem emons-Verlag, 2016 erschienen. es lohnt, launig leichtes zu lesen, wie geschaffen als urlaubslektüre an der naht von sand und meer.

will man ein fazit ziehen, so war der nachmittag für das treu eingeschworene publikum wieder bunt und anregend.

© 20.06.2016 brmu

 

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Montag, 01. Mai 2017

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