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In Memoriam

woran denken lyriker/-innen, wenn sie schreiben - an sich, ans werk, an andere, an die leser/-innen? in seinem neuen programm „In Memoriam“ an der VHS (29.10.2016) klärt Manfred Michael Bohn diese frage: er gedenkt der lyriker/-innen, die während der dunklen ns-zeit verfolgt, vertrieben oder vernichtet wurden.

er gab litbiss ein kurzinterview. wie kam Manfred M. Bohn zum schreiben? hier seine antworten:

> gestatten, mein name ist Manfred Michael Bohn, einen alias-namen als autor habe ich nicht. damit will ich warten, bis mir die tägliche fan-schlange vor dem hause zu lästig wird.

ich wurde in eine zeit geboren, die mich heute noch tief erschüttert, verstärkt durch zwei reisen nach Wolgograd (ehem. Stalingrad), an den ort einer schlacht mit weit über einer million toter, obwohl das geschehen schon beendet war, bevor ich geboren wurde.

als junger mensch habe ich erkannt: hilf dir selbst, dann hilft dir Gott oder auf amerikanisch: „getting things done“. seit dem ist alles, was mir wichtig erschien, gelungen. dabei inspirierten mich immer eine vielzahl von sprüchen, aphorismen, axiome und zitate. zum beispiel: „das gegenteil von gut, ist gut gemeint“ oder „denken ist schwer, darum urteilen die meisten“ oder „die absicht jeden verhaltens ist positiv“ oder „die annahme, andere denken wie wir, ist eine illusion“ oder „die landkarte ist nicht das territorium“ u.s.w.

meine beruflichen ausbildungen haben mir ein erfülltes leben beschert. so kam es dann, dass ich heute schätze eines besonderen reichtums besitze.

mein erstes buch fand ich so gut, dass ich ein zweites folgen ließ. ich nahm an, mit dem erstwerk einen zugang zu erfahrenen „kollegen“ zu finden. doch ein kreis mit einigen eingebildeten fand mich nicht würdig. übrigens geht ein drittes buch wohl noch in diesem jahr in druck. das literarische schreiben hat für mich einen wert, dem ich jeden tag mit freude begegne.

wenn sie meine neue lesung „In Memoriam“ hören, wünsche ich ihnen, mitgefühl für die autorinnen und autoren, die im so genannten Dritten Reich verfolgt, gequält und getötet wurden. sie werden in der sache folgendes erkennen: „nie wieder!“ und heute? parallelen zur Weimarer Republik?

über mich finden sie in meinen büchern authentizität, sensitivität, angelsächsisch anmutenden humor, satire oder schlicht menschliches. von der leserschaft habe ich zuspruch, dank, freude, berührtheit, interesse und sogar geld erhalten (!) <

und er überließ litbiss exklusiv dieses gedicht:

Donnerstag

wacher blick,
menschenglück.

geschliffener verstand,
ergebnisgespannt.

verschmitztes lachen,
daraus was machen.

für mich
oder dich?

sympathie-ton,
wahrnehmungs-lohn.

ab und an da zu sein
im förderverein,

es läuft die zeit,
der freund zu weit.

zum tv gehen,
„bio-noten“ sehen.

zu zweit mit gästen,
besser erst testen.

traum schwebt mir vor,
bei dir im tresor.

darauf die antwort aus der litbiss-feder:

im tresor

     da landen die krusten
der lebenstätigkeit von hoch
erhoffter wertesteigerung -
für die nachkommen parat

viel besser jedoch ist das weiche
des puren lebens im rhythmus
des pulses offener neugier -
und auch wagemut apart

darum lasset uns fröhlich schreiben
für heute und vielleicht morgen
weiter reichet die zeit nicht im
komplexen wimmelbildbuch

und wem das alles viel zu obskur
verlege sich auf das lesen
das in seinem inneren zweck
feine spiegelung ist – huch!!

© 19.09.2016 brmu

 

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