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lyrisiert

zitate aus Milan Kundera, Die Langsamkeit, Carl Hanser Verlag 1995, zusammengestellt zu einem leitgedanken:

was ein autor doch vermag
lyrisiert er so den tag
obsessiv und ohne klag

in revolte gegen wass
mit und ohne diesen hass
oder nur für seinen spass

verwandelt er die existenz
ob im winter ob im lenz
auf dass ruhm ihn schier umkränz

bis vergessen alles nichtet
niemand seine worte wichtet
er mit narrenkappe flüchtet

„Die Welt verändern! … eine Ungeheuerlichkeit! Nicht weil die Welt so, wie sie ist, wunderbar wäre, sondern weil … jeder öffentlich gewordene Gedanke sich früher oder später gegen seinen Autor wendet und ihm das Vergnügen raubt, das er daran hatte, ihn gedacht zu haben.“ (25-26)

„Der Ruhm hat seine ganze Freiheit verschlungen, und jetzt weiß er: nur ganz leichtfertige Geister können sich heute noch darauf einlassen, den Schmortopf der Berühmtheit freiwillig hinter sich herzuziehen.“ (42)

„… jede neue Möglichkeit, die sich der Existenz eröffnet, sogar die am wenigsten wahrscheinliche, verwandelt die ganze Existenz.“ (43)

„Das Leben dieses Dichters ist eine Lehre, die uns daran erinnern wird, dass alles, was wir machen, sei es Lyrik oder Wissenschaft, Revolte ist. … Denn der Mensch befindet sich immer in der Revolte. … Die Revolte gegen die Conditio humana, die wir nicht gewählt haben.“ (77-78)

„Es gibt in der Tat einen Umstand, wo selbst die schwächste Stimme gehört wird. Wenn sie Gedanken ausspricht, die uns irritieren.“ (82)

„… mit anderen Worten, er ist nur in der Lage, über seine herrlichen … Obsessionen zu sprechen, indem er sie lyrisiert; indem er sie in Metaphern verwandelt.“ (96)

„… der Grad der Geschwindigkeit verhält sich direkt proportional zur Intensität des Vergessens.“ (41) - „…: unsere Epoche ist besessen von dem Verlagen nach Vergessen, und um sich dieses Verlangen zu erfüllen, hat sie sich dem Teufel der Geschwindigkeit verschrieben; …“ (131)

„Ohne um seine Erlaubnis zu bitten, hat man ihm eine Narrenkappe aufgesetzt, und er fühlt sich nicht stark genug, sie zu tragen. In seinem Innern vernimmt er die Stimme der Revolte, die ihn auffordert, seine Geschichte zu erzählen, sie so zu erzählen, wie sie war, sie mit lauter Stimme der ganzen Welt zu erzählen.“ (143)

© 04.12.2013 brmu

 

 

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