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richtiges leben

Theodor Weißenborn meint: Der richtig Lebende* …

1.     genießt das Leben … in seiner ganzen Fülle und Vielfalt …, so dass er … aus einem Minimum an Gaben ein Maximum an Genuss, Freude oder Glück beziehen kann.

2.     ist liebes- und gemeinschaftsfähig und steht in lebendigem Kontakt zu seinen Mitmenschen, so dass er … auch allein leben kann, ohne zu vereinsamen.

3.     traut seinen Sinnen, bedient sich … seines Verstandes, steht zu seinen Überzeugungen und Werthaltungen und verteidigt diese … gegen … Mehrheiten Andersdenkender.

4.     [betrachtet] frei gewählte berufliche Aufgaben … als Herausforderung, die ihn zu Engagement und Leistung beflügeln.

5.     wählt aus einem großen Repertoire von Verhaltensmöglichkeiten … jene …, die  die größere Wert- und Sinnfülle verspricht.

6.     betrachtet Konflikte als Zeichen lebendigen Daseins, … sucht sie … gewaltfrei, verbal, freimütig und möglichst konstruktiv zu lösen … .

7.     wandelt sich lebenslang, aufsteigend, fortschreitend, wachsend wie ein Baum … .

8.     verzeiht sich Schwächen, Irrtümer, Fehler und lässt … Schmerz, Trauer und Tränen zu. er erlaubt sich Phasen der Erschöpfung … und schließlich den Tod.

9.     spielt mit Kindern …. [

10.  hat Humor.

*auszug aus dem artikel von Theordor Weißenborn, betitelt „Was ist <richtiges Leben>?“, in frei denken. liebre pensée. libero pensiero, Freidenker-Vereinigung der Schweiz, 93. Jahrgang, Nr. 7/8 2008, Seite 6

meine gedanken dazu: die nummerierung weist auf eine rangfolge hin oder gar wertigkeit und es ist interessant zu schauen, ob die zehn maximen untereinander vernetzt sind, sich gegenseitig stützen und ein ganzes ergeben:

(1) lebensgenuss. im anfang war das wort. hier: der epikuräische genuss des lebens, aber ohne hab- oder raffgier, sondern bescheiden mit dem, was man hat. ein kluger start, denn der neid auf das mehr des anderen begründet den abgrund der vielen, die gesellschaftlichen konsensbrüche.

(2) lebensfreude. folgerichtig bedingt der grundsatz des lebensgenusses die zugewandtheit zu mitmenschen, und das in liebenwürdiger weise, die sogar auch – zeitweilig? –  ein alleinsein erträgt. gerade in der stille und ruhe der distanz, wir denken an meditation und zurückgezogenheit, liegt die möglichkeit der selbsterkenntnis und selbstregulierung.

(3) rationalität. ob zu- oder abgewandt, dem eigenen, gesunde menschenverstand als innerer instanz wird vertraut ohne einredungen oder verführungen dritter. so bleibt sich der richtig lebende treu in seinen haltungen, die er von wem oder was erworben hat? hier klafft erklärungsbedarf: was ist gut, was ist schlecht im sinne der ethischen normen. es kann nur der allgemeine konsens der gesellschaft sein, in dem der richtig lebende sein dasein hat.

(4) berufung. in dieser konsensgesellschaft wird der frei gewählte beruf zur berufung durch engagement und leistungswille mit dem ziel, erfolgreich zu sein für sich und andere, phasen der mühsal werden durchgestanden. was aber ist mit den vielen, nicht frei gewählten berufen, die lediglich des broterwerbs wegen erduldet werden? hier können die grundsätze (2) und (3) helfen, besserungen herbei zu führen.

(5) ethik. trotzdem wählt er immer die variante seiner handlungsmöglichkeiten, die allen mehr positive optionen eröffnen. wollen aber andersdenkende seine konsensgesellschaft verändern, so zieht sich der richtig lebende nicht in die epikuräische genusswelt zurück, sondern verteidigt seine wertvorstellungen aktiv und konsequent. er nimmt auch nachteile für sich dabei tapfer in kauf. es kann sein, dass er in individuellen, extremen situationen zum schutze dritter töten muss. er wird sich veranworten dafür.

(6) konfliktfähigkeit. überall, wo menschen zusammen leben, ist der konflikt eine natürliche daseinsform, die regeln braucht, um nicht in aggression umzukippen. diese regeln sind gesellschaftlich zu finden und im konsens stets weiter zu entwickeln. der richtig lebende stellt sich konflikten und sucht diese im sinne der optionserweiterung der konfliktparteien zu bewältigen.

(7) persönlichkeit. um all das leisten zu können, bedarf es einer steten weiterentwicklung bis zur reife der persönlichkeit, man nannte das früher eine/n weise/n. in der welt sein heißt, zu wachsen am körper und im geiste, sich wie ein baum in boden und himmel zu verzweigen, aufnehmen, umsetzen und abgeben, teil nehmen lassen, damit andere auch wachsen können.

(8) grenzen. das wachstum hat seine grenzen allüberall. es tritt eine natürliche reife ein, eine ernte und dann das absterben. schwächen und deren emotionale ausdrucksformen werden souverän zugelassen, krankheit und tod gehören selbstverständlich dazu. keine flucht möglich, es gibt nur scheinlösungen einer schlecht beratenden gesellschaft blinder fürsten.

(9) spiel und spaß. dies alles wissend, löst sich die innere gefangenschaft des erwachsenseins. das kann gefeiert werden, am besten im spiel ohne nutzen, ohne ziel, ohne zweck, ohne um irgendetwas, allein im spiel mit kindern geteilt, kinder als noch hoffnungsstrotzender teil der zukunft im huj. kinder als sinn des lebens, ihr wohlergehen und ihre möglichkeiten, zu persönlichkeiten zu werden. es gibt nichts wichtigeres! dabei sollen die tiere als teil der von menschen verdrängten umwelt einbezogen sein, besser noch auch alles andere, was die natur noch zu bieten hat.

(10) humor. weise sind heiter, lachen vornehmlich über sich selbst. nichts kann ihr wertesystem erschüttern. das ist  im lächeln und lachen für alle weithin sichtbar: souveränität menschlichen daseins. lachen löst den krampf, lachen löst den kampf widermenschlichen verharrens. also schützt in besonderer weise die weisen und die kinder! daran soll/en alle&alles gemessen werden. auch du!

© 14.01.2014 brmu

 

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