litbiss.de

Wiebicke wandert

Wiebicke Foto2

© 06.11.2017 foto brmu: Jürgen Wiebicke im Kaisersaal des Brühler Rathauses

die stimme kennt jeder, der regelmäßig WDR5 hört, vor allem „Das Philosophische Radio“. Jürgen Wiebicke verleiht der sendung seinen ruhigen charme als katalysator von meinungen und stimmungen, immer treu am ausgewählten philosophischen thema entlang. das ist sein journalistisches talent, das wir nun auch in persona am 6. November 2017 im Kapitelsaal des Brühler Rathauses in einer mischung aus lesung und vortrag und gespräch erleben konnten. die veranstaltung wurde von der VHS Rhein-Erft und der Buchhandlung Brockmann ausgerichtet, denen mein Dank gilt.

sein thema war das eigene buch mit dem titel „Zu Fuß durch ein nervöses Land“, in dem der autor auf „der Suche“ ist „nach dem, was uns zusammenhält“, getreu seinem motto: Man lernt immer am meisten, wenn man sich als Fragender durch die Welt bewegt. (15) er bewegte sich im sommer 2015 per pedes durch NRW und hat sich mit vielen leuten unterhalten, geplant und spontan, aus der mitte und vom sogenannten rand der gesellschaft. in 27 kapiteln wird unser land mittels dieser gespräche gespiegelt und in summa vom autor als „nervös“ reflektiert: Angst ist der Rohstoff des Populismus. (320) die aktuellen entwicklungen lassen den autor als männliche Kassandra erscheinen.

dieses buch kann eine hohe resonanz in richtung leserschaft entfalten, weil „wir“ mit einfachen meinungen ungeschminkt darin vorkommen. es wäre als pflichtlektüre für all jene geeignet, die sich „für uns“ politisch engagieren wollen, denn repräsentative Politik muss erst wieder die Nähe zu denen suchen, die sie repräsentieren will. (322) Wiebickes buch fühlt den puls von NRW.

darum ist auch an die adresse der bürgerschaft der auffordernde satz gerichtet: Der Abschied von der Zuschauerdemokratie beginnt vor der eigenen Haustür. (322) das meint die intervenierende demokratie des unverbrüchlichen bürgerlichen engagements, sei es als einzelner wie der arzt Rieux in Albert Camus’ „Die Pest“, sei es kollektiv in form von bürgerbegehren oder bürgerentscheiden gemäß GO NRW. nicht „die da oben“ sind wie zu kaisers zeiten die bestimmer, sondern „wir da unten“ reden mit. das auf der basis eines wertekanons, den alle mittragen. der muss aber kommuniziert werden, auch in persönlichen gesprächen von tür zu tür, von nachbar zu nachbar.

insofern unterscheidet sich die wanderung des autors deutlich von denen anderer, die zum zwecke der selbsterkenntnis oder „erleuchtung“ unterwegs waren, der Jakobsweg blitzt auf. ganz anders will es Jürgen Wiebicke: er will beleuchten, was im lande ist und wie es ansätze geben könnte, das licht heller strahlen zu lassen. möge dem buch eine breite rezeption vergönnt sein, es täte uns allen gut.

© 07.11.2017 brmu

 

Kommentare 1

Gäste - JWiebicke am Donnerstag, 09. November 2017 13:39

Hallo Herr Ulbrich,
... Ganz herzlichen Dank für Ihren Bericht von der Lesung. Es freut mich sehr, dass Ihr Exemplar meines Buches nach viel Lesearbeit Ihrerseits aussieht. Man wünscht sich ja als Autor genau das, wenn man sich mit dem Schreiben quält.
Viele Grüße, Ihr Jürgen Wiebicke

Hallo Herr Ulbrich, ... Ganz herzlichen Dank für Ihren Bericht von der Lesung. Es freut mich sehr, dass Ihr Exemplar meines Buches nach viel Lesearbeit Ihrerseits aussieht. Man wünscht sich ja als Autor genau das, wenn man sich mit dem Schreiben quält. Viele Grüße, Ihr Jürgen Wiebicke
Gäste
Sonntag, 17. Dezember 2017

Sicherheitscode (Captcha)