litbiss.de

ursache und wirkung

ein zitat wider die verdummung aus: Daniel Kehlmann, Die Vermessung der Welt, Rowohlt Verlag 2005, seiten 59 – 61:

„Gemeinsam überzeugten Bartels und Büttner seinen Vater davon, daß er nicht in der Spinnerei arbeiten, sondern aufs Gymnasium sollte. Unwillig stimmte der Vater zu und gab ihm den Rat mit, sich immer, was auch geschehe, aufrecht zu halten. … Er bekam zwei neue Hemden und einen Freitisch beim Pastor.“

beim ersten mittagessen an diesem freitisch verwickelt der pastor den achtjährigen knaben Johann Carl Friedrich Gauß in ein gespräch und meint schließlich:

Wie klug man auch sei, man habe demütig zu bleiben. – Warum? – Der Pastor bat um Verzeihung. Er habe wohl falsch verstanden. – Nichts, sagte Gauß, gar nichts. – Doch, sagte der Pastor, er wolle das hören.
Er meine es rein theologisch, sagte Gauß. Gott habe einen geschaffen, wie man sei, dann aber solle man sich ständig bei ihm dafür entschuldigen. Logisch sei das nicht. … Er sei überzeugt, daß er etwas missverstehe, aber ihm erscheine das wie eine mutwillige Verkehrung von Ursache und Wirkung.“

wie soll ein mathematisches genie auch anders denken. der kleine hat gar nichts missverstanden. sprach’s und flog raus. logik ist nicht jedermanns sache, schon gar nicht die der theologie. / eingestellt am 08.12.2012 brmu

reli belli

religionen sind inbrünstige
logiklose denkdunkle
systeme die mit einer ethik
ohne hiesige menschenrichter
auskommen wollen – lohn
oder strafe folgen später aber
viele mussten dran glauben

© 08.12.2012 brmu

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info zum projekt

hier einige erläuterungen zu dem literaturblog litbiss:

das schreiben von literarischen texten hat etwas solipsistisches an sich. der ausweg ist die resonanz mit anderen geistern. ist das wortwerkchen nach eigenem anspruch fertig gestellt, dann kann es drei wege beschreiten.

weg 1: der text wandert gleich in den schuhkarton und die nachfahren werfen alles ins feuer.
weg 2: der text wird im freundeskreis vorgelesen, barmherzig gelobt, wandert dann auf weg 1.
weg 3: der text wird der gnadenlosen öffentlichkeit vorgelegt und wandert …

mit litbiss will ich auf dem dritten weg, als projekt getarnt, schreiben und aushalten. der name litbiss deutet auf eine beabsichtigte art der nonkonformität der themen und ihrer formulierung in literarischer form hin. es geht also nicht um schöngeistiges, sondern um anstößiges zum eigenen denken.

bevorzugt wird die gebundene sprache in gedichten mit und ohne reim, vom aphoristischen gedankensplitter bis zum durchkomponierten sonett. die orthographie folgt bewusst der kleinschreibung als künstlerisches mittel. eine ausnahme bilden die eigennamen von personen.

der bloginhalt gliedert sich in anwählbaren kategorien.

ein blog lebt von den kommentaren aus der großen öffentlichkeit. dieser auch. alle interessierten sind eingeladen, meinungen einzuschreiben. © brmu

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schreiben macht einsam

Sibylle Lewitscharoff ist eine schriftstellerin mit fantasie, wie jüngst bewiesen in ihrer ungewöhnlichen Blumenberg-biografie. sie hält zurzeit eine poetik-vorlesung an der universität köln. im vorlauf dazu gab sie dem KStA (4.12.2012) ein interview zu fragen über die schriftstellerei.

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bedeutung eben

Henri Bortoft: Goethes naturwissenschaftliche Methode, Verlag Freies Geistesleben 1995. im rahmen der erörterung des allgegenwärtigen, analytischen bewusstseins und dem eher holistischen bewusstsein Goethes kommt Bortoft auf seite 45 zu dieser einschätzung:

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Die Grube

wer sich einblick verschaffen will, was es heißt, auf dem altar des strombedarfes geopfert zu werden, der lese das buch von Ingrid Bachér, Die Grube, Dittrich Verlag 2011, das sich mit dem tagebau aus sicht der betroffenen beschäftigt. es soll ein aufschluss-reiches zitat hier folgen:

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wo man die grenzen zieht

quelle der zitate ist das buch des englischen autors John Berger, "Hier, wo wir uns begegnen" im Carl Hanser Verlag 2006, speziell aus der dort enthaltenen erzählung "Lissabon":

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mensch in berührung

Robert Musil hat als österreichischer Schriftsteller (Der Mann ohne Eigenschaften, 1931) natürlich auch tagebuch geführt. eine auswahl daraus hat der Suhrkamp Verlag (SV) in seiner reihe Bibliothek Suhrkamp (bs) als band 90 heraus gebracht. ich zitere aus der ausgabe von 1974 von seite 19:

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die erhöhrung

Thomas Lehr schrieb den roman "Die Erhöhrung" und der Aufbau-Verlag brachte ihn 1995 heraus. aus dem ersten kapitel "Vom Berühren des Mondes" (s. 9-15) hier drei markante zitate:

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gemeinsame nenner

aus dem buch von Eberhard Rathgeb mit dem titel "Schwieriges Glück - Versuch über die Vaterliebe" aus dem Hanser verlag 2007 findet sich dieses zitat auf den seiten 65-66:

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im walde

vom flohmarkt kam mir als geschenk ein altes buch auf den tisch: Gedichte von Ferdinand Freiligrath (1810 - 1876), J. W. Cotta'scher Verlag Stuttgart und Tübingen 1843, sechste auflage. darin fiel mir das 13strophige gedicht "Im Walde" auf.

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das goldene dachl

das Goldene Dachl (um 1500) ist das wahrzeichen Innsbrucks. ein spruchband mit unbekannten schriftzeichen ist bis heute nicht enträtselt. in der tiroler tageszeitung (tt) vom 10. Juni 2009 steht über das Goldene Dachl geschrieben: "Jetzt dürfen sich Kreative den Kopf zerbrechen."

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was gelernt werden muss

"Was gelernt werden muß, ... , ist das Warten. Das Warten ermöglicht das Geschehen lassen einer Entwicklung, es ist ein Warten auf sich selbst. Doch das ist keine passivische Erfahrung. Es ist Vorgeschichte eines Werkes, ... . Warten und Schreiben schließen sich nicht aus, ..."

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der sinn des lebens

Ernst Augustin schreibt in seinem roman "Robinsons blaues Haus" im C.H. Beck Verlag 2012 auf seite 25:

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purzelnde heimat

von Thomas Kling (1957 - 2005) ist posthum in diesem jahr das Suhrkamp taschenbuch "Das brennende Archiv" (st 4351) erschienen. darin findet sich das gedicht "Wurzeln & Heimat" in der manier eines "erpresserbriefes" mit ausgeschnittenen wörtern oder wortkombinationen.

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LOVE

in dem sf-epos "LOVE" von William Eubank (© 2012 Splendid Film GmbH) erhält im Amerikanischen Bürgerkrieg der captain Lee Briggs einen erkundungsauftrag. man habe ein objekt gesichtet. diesem auftrag entstammt ein tagebuch,

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fantasia

Ein jedes Buch mit Phantasie
verzeiht man dir in Deutschland nie

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was die literatur anlangt

"Was die Literatur anlangt, so eignet sich das Internet hautpsächlich als Ort der schrankenlosen Pöbelei und der agressiven Einforderung von Niveaulosigkeit. Weshalb, fragt man sich verdutzt, geben sie denn gar nicht auf zu lesen? Es wäre so viel gesünder für sie." (Seite 50)

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menschen dazu ermutigen

"Soll man Menschen dazu ermutigen, Gedichte zu schreiben? (Viele tun es ohnehin, ermutigt oder nicht.)

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das nachdenken

"Das Nachdenken über mich fördert eines zutage: der Rest der Welt reimt sich."

quelle: Werner Herzog, Vom Gehen im Eis, Hanser 2012, seite 9

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aber welches liebesglück

"Aber welches Liebesglück ist schon originell, und welches Sehnen hat nicht etwas von einem Gedicht, das die Zeiten überdauert?"


quelle: Bodo Kirchhoff, Die Liebe in groben Zügen, Frankfurter Verlagsanstalt 2012, seite 9

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und plötzlich verstand ich

aus dem buch von John Berger, A und X - Eine Liebesgeschichte in Briefen, Hanser Verlag 2010, seite 45:

"Und plötzlich verstand ich, dass in den von Menschen gebauten Apparaten immer ganze Schaltkreise von Erfindungsreichtum verborgen liegen, die sich bestimmten Köpfen mitteilen. So wie man Gedichte weitergibt."


das nenn' ich resonanz
mit der man gar und ganz
den sinn erfassen kann:
resonanzen irgendwann

© 01.10.2012 brm ulbrich

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