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Macho Man

der gag-schreiber und drehbuchautor Moritz Netenjakob wollte wissen, wie wohl ein drehbuch auch als roman funktionieren kann und legte 2009 sein debüt „Macho Man“ vor, eine wilde mischung aus liebes-, entwicklungs-, familien-, und gesellschaftsroman ohne die schwere der üblichen art.

der protagonist Daniel, sohn eines germanistik-professors, ist „in den 70er-Jahren aufgewachsen, in den Zeiten der Frauenbewegung. Meine Eltern haben mir beigebracht, dass man Frauen achtet und respektiert“ (17). vor diesem hintergrund „kommt Aylin auf uns zu. Mein Herz schlägt schneller, mein Mund wird trocken“. (17) und schon ist es geschehen: „Ich bin verliebt. … Ich kenne diese Frau seit einer halben Minute. Das kann nur eine durch Hormonstau verursachte, chemische Reaktion sein“. (19) in diesem schreibstil geht es nun durch irrungen und wirrungen zweier junger leben, zweier familien, zweier sozialisierungen in Deutschland und der Türkei.

dabei wird den leser/-innen vor augen geführt, was eine macho-kultur ist, dieses „ganze Männlichkeits-Gehabe“ und plötzlich wird dem protagonisten und werbefachmann Daniel „klar, was Werbung und Machos gemeinsam haben: Es geht nur um eine schillernde Oberfläche“. (275) das sollen wir uns als konsumenten merken!

eine souveräne reaktion aus dieser selbsterkenntnis, vermittelt durch den zusammenprall der kulturen, ist natürlich die kündigung bei seiner werbefirma, wobei Daniel uns verrät, was er mit den gewonnenen erkenntnissen anfangen will: „Vielleicht mache ich … eine Kreativ-Firma auf. Oder ich baue Kartoffeln an. Oder ich schreibe meine Erinnerungen auf, nenne sie „Macho Man“ und verkaufe sie als Roman“. (273) wer bis hierhin drangeblieben ist, herzlich lachend und im dauerschmunzelmodus, der bedankt sich für diesen gag, denn sonst hätten wir dies buch nicht in der hand.

lesen sie selbst. so ganz nebenbei erfährt man auch etwas über andere denk- und lebensweisen, etwas über die schwierigkeit aufeinander prallender kulturen, etwas über die chance der gegenseitigen wertschätzung. das ganz klassisch mix der geschlechter der nachkommen jener, die sich ad hoc nicht verstehen (wollen): verliebt, verlobt, verheiratet – das ist seit jahrtausenden das wahre kulturelle von frieden und heiterkeit – bis ins dritte und vierte glied.

© 18.04.2016 / brmu
zitate nach Moritz Netenjakob, Macho Man, KiWi Tb 1154, 2012, 11. auflage

 

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