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Rumlers Goethe

AR Weimar-Buchvorstellung-a-150417-jr

© foto Jutta Rumler, autor Andreas Rumler stellt sein buch am 17. April 2015 in Weimar vor

das letzte treffen von littreff.medio in diesem halbjahr fand in der Medio Lounge statt. inmitten der geräuschkulisse sehr fein gedresster abiturientinnen und abiturienten des Gutenberg Gymnasiums in Bergheim anlässlich ihres „abi-balles“ haben wir entspannt über Johann Wolfgang (von) Goethe (JWG) gesprochen. ob die abiturienten dazu hätten etwas beisteuern können? wir sind nicht sicher, weil die überhöhung dieses autors zu einer „Existenzform Goethe1“ vielen willigen leser/innen den weg zu ihm verbaut (hat).

zweifelsohne ist JWG eine besondere persönlichkeit, die seine zeit überragt. und das hat Andreas Rumler, im Vorstand der Kölner Goethe-Gesellschaft, in seiner gut lesbaren, modern illustrierten und mit merksätzen versehenen kurzbiografie eindrucksvoll skizziert. damit hat er uns neben all den dickleibigen, ausufernden biografien über Goethe den wichtigen Vertreter der Weimarer Klassik „verdaubar“ nahe gebracht.

der stets auftauchenden frage, ob ich das denn alles wissen wolle, wenn ich eine solche biografie lese, wird in dem buch von Andreas Rumler, "Johann Wolfgang Goethe – Dichter – Staatsmann – Universalgenie“ aus der Weimarer Verlagsgesellschaft (2014) mit verhaltener fülle begegnet. und der in seiner wirkungsgeschichte zum „Olympier“ hochstilisierte JWG erscheint uns als mensch mit besonderen begabungen, aber auch fehlern.

das bringt nähe, macht neugierig. und fördert die bereitschaft, nach all der schulzeit mit oden rauf und runter sich wieder auf sein werk einzulassen. nicht als steinbruch für allfällige zitate, nein, sondern als suche nach mustern seines weltverständnisses. nicht weltbildes! denn dazu war Goethe zu gebildet, zu glauben, es könne ein wahres weltbild jenseits von dogmatischer oder religiöser verblendung geben. JWG sperrte sich jedweder vereinnahmung.

Andreas Rumler erzählte uns, dass die vom verlag und ihm angepeilte zielgruppe für seine biografie nicht die experten, sondern die vielen touristen in Weimar seien, die mit munterer begeisterung die stätten der Weimarer Klassik aufsuchen. sie wollen dort etwas über die größen deutscher literatur erfahren – übersichtlich, komprimiert, dem stil heutiger wahrnehmung angemessen.

das ist ihm sehr gelungen. so fängt man neue leser/innen für eine schon zurück liegende litera­turepoche ein. so kann der kreative geist Goethes auf die interessierten weiter wirken. so kann kultur funktionieren als mahnung wider die wuchernde zivilisation, wie im „Zauber­lehrling“ beschrieben. möge das buch eine weite verbreitung finden und die vielen Goethevereine ins hiesige jahrhundert katapultieren.

ein anfang ist gemacht, denn der amtierende präsident der Internationalen Goethe-Gesellschaft, Dr. Jochen Golz, gab den auftakt für die buchpräsentation im Goethe-Schiller-Archiv in Weimar.

info: das nächste treffen nach den nrw-sommerferien findet voraussichtlich am 14. August 2015 statt. wir haben dann von dem autor aus Köln, Dieter Wellershoff den roman „Der Liebeswunsch“ gelesen und wollen darüber diskutieren. bis dahin eine gute sommerzeit.

© 13.06.2015 brmu
1 zitat aus dem Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 133, Bücher Magazin seite 34, artikel von Markus Schwering zu Albrecht Schöne, Der Briefschreiber Goethe; "Es ist die Existenzform Goethes, die dem Leser hier näher rückt als in vielen Werkanalysen oder Biografien."

 

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