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littreff #3 domfeuer

achtung: littreff #3 ist verlegt auf Freitag, den 17.1.2014, 16:30Uhr in der Bibliothek Bergheim. thema: Theodor Weißenborn, Wunderliche Zeitgenossen, Verlag Ralf Liebe 2013.

Vlaminck littreff-131129-bu

29.11.2013 Stadtbibliothek Bergheim, littreff.medio, brm ulbrich im gespräch mit Dennis Vlaminck

so ist es ja gewesen:
feuer zehrt am dom
rache zehrt auch schon
geheime jahre lang
bis die kogge dann
in den hafen kam
und die mörderei
weitergeht mit drei
händlern in tuch
aber jetzt ist’s genuch
rest bitte selber lesen
littreff.medio traf sich zum zweiten mal und wir tauschten zunächst ohne den autor unsere erkenntnisse über den historischen kriminalroman „Domfeuer“ von Dennis Vlaminck (Emons verlag, 2011) aus. nach dem erstling „Reliquiem“ (2008) legte der autor nun ein gereiftes werk vor, szenisch in den handlungssträngen mit eigenwilligen charakteren, die im laufe der geschichte entwickelt werden.

und diese geschichte bietet viel: spannende krimistory auf der suche nach den motiven der täter, aber auch historische aha-erlebnisse aller arten: der Hildebold-Dom und sein abbruch, schiffartstechnik einer kogge und deren bewehrung, mühlentechnik aus dem mittelalter mit staubexplosion, lebensweisen unterpriveligierter kölner inklusive puff, klüngel der patrizier in der riecherzeche, kirche als machtfaktor im erzbistum und amtsmacht bis hin zu ersten, forensischen untersuchung seitens eines hellwachen büttels und den zahnschmerzen seines kollegen, die ein auf dem marktplatz residierender zahnbrecher brachial behandelt. man erschauert.

es gäbe noch viel zu berichten, der krimi ist pralle voll mit leben aus einer zeit, die wir nicht mehr im blick haben. so bestätigte uns auch der autor, Dennis Vlaminck, der später zu uns stieß, dass er gründlich recherchiert und sich eine kleine fachbibliothek aufgebaut habe und nun aus seinem fundus schöpfen könne. deswegen wird es nicht der letzte krimi aus diesem genre sein. ein nächster ist schon in arbeit. immerhin feiert der Emons verlag im nächsten jahr sein 30jähriges bestehen und das wäre doch ein schönes datum für einen dritten krimi.

bereitwillig erläuterte uns der autor, der beruflich als journalist beim Kölner Stadt-Anzeiger seine brötchen für die familie verdient, wie er an solchen manuskripten arbeitet: nächtliches refugium vor störungen aller arten, keine diffizilen skizzen, wie etwa Heinrich Böll sie angefertigt hatte, im vorhinein, nur ein genereller, roter faden, an dem sich die szenen wie an einer wäscheleine entlang entwickeln, die dialoge, die aktionen, oft mit einem cliffhanger in der schwebe gelassen, die dann an anderer stelle wieder aufgenommen werden. so wird die leserschaft wie durch den sog weitergezogen.

welche rolle der dom in dem kriminellen geschehen spielt, mögen die neugierig gewordenen leser/innen nun selber herausfinden. es gibt viel zu entdecken. unsere einhellige meinung war: ein spannender krimi mit exakt recherchiertem hintergrund, der nebenbei viel lerninhalte bereithält. eine teilnehmerin fasste es so zusammen: das buch wäre auch ein toller film. wir wünschen Dennis Vlaminck eine goldene feder für den nächsten coup aus dem mittelalter.

© 29.11.2013 brmu

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littreff #2 wolkenmacher

Löffler IMG 8428b

© foto 31.10.2013 brmu: autor Kay Löffler im gespräch anlässlich der einladung zum littreff.medio und der besprechung seines buches „Dorf der Wolkenmacher“, erschienen im Engelsdorfer Verlag, Neuauflage 2001

der teilnehmerkreis von littreff.medio hat dem schon 1997 verfassten roman eine heute noch vorhandene aktualität zugebilligt, die sich aus dem umfeld der tagebaue in der region ergibt.

eine aus drei familien stammende gruppe von fünf kindern, resp. jugendlichen, entdeckt eine lichtung im nahen forst und erobert diese als ihr refugium. es entsteht eine gruppendynamik, die auch eine aufkeimende, zarte zuneigung zwischen Marvin und Vanessa, den beiden älteren, beinhaltet. die situation wäre ein idylle, wenn nicht plötzlich die brutale realität einbrechen würde: das bergbautreibende unternehmens wird den wald roden.

die kinder sind geschockt und überlegen, sich zu wehren. vieles wird erörtert, radikalität abgelehnt, und man kommt zum schluss, befreundete und bekannte kinder, fünfzig an der zahl, zu mobilisieren, um sich an die gefährdeten bäume zu ketten. diese aktion bringt den vater von Marvin in seiner eigenschaft als polizist in arge bedrängnis, muss er doch seine eigenen kinder verhaften. doch die aktion läuft glimpflich aus. die kinder sehen dem abholzen machtlos zu und es bleibt nur der zornige, symbolische akt von Marvin, nun schon ein „Erwachsener mit Hoffnung“ /126, ein neues bäumchen zu pflanzen.

Das oft als jugendroman angesprochene und damit teils missverstandene werk ist eine parabel zu dem modernen, bürgerlichen leben, in dem im zuge der exploration für die allgemeinheit („Strom wird immer gebraucht, und der wird hier nun mal aus Kohle gemacht“ /52) eine lokale minderheit nachteile erleidet. der autor überhöht diesen effekt durch die protagonisten, die kinder (Marvin, dessen Bruder Manuel, Vanessa, deren Schwester Laureen und dem Hund Piri-Piri /7, sowie Denis, genannt Hamm /18 und später noch das Pony Cherokee) der im hintergrund agierenden erwachsenen sind.

kinder als die hoffnung der zukunft: wie werden sie mit der zerstörung ihrer idylle zurecht kommen, wie den frust kanalisieren, wie gewalt und randale abwehren, wie an informationen kommen, wie diese nutzen und öffentlichkeit herstellen, wie sich selber in die waagschale werfen, wann erkennen, verloren zu haben und dennoch erhobenen hauptes weiter leben zu können? für sie geht es um viel: „Der bevorstehende Umzug in die neuen Häuser war schon schlimm genug, aber wenn die Lichtung zerstört wurde bestand die Gefahr, dass alles auseinander brach.“ /62.

all das wird in dem buch in einfühlsamen dialogen und beschreibungen durchgespielt und dient letztlich so der orientierung heranwachsender, sich als souveräner teil der bürgerschaft einer region zu verstehen („Wenn Kinder mehr Zivilcourage haben als Erwachsene, wenn Kinder bereit sind, für ihre Umwelt zu kämpfen, dann haben wir eine Zukunft“ /126). nicht ohne grund ist dieses buch oft bestandteil der lektüre in schulen.

es ist aber auch eine beziehungsreiche lektüre für die erwachsenen macher dieser realität: politik und wirtschaft. denn die szene der internen sitzung der partei des bürgermeisters, nicht ohne grund etwa in der mitte des romans platziert /70-73, ist sehr aufschlussreich, wie politisch gedacht und gehandelt wird und warum politik im volke als verschlagen wahrgenommen wird („Wer will schon ein Monopol verlieren?“ /73).

die wirtschaft könnte ihren anteil am gemeinwohl als arbeitsplatzgarant wahrnehmen („Es werden fast jede Woche weniger Leute bei der Schwarz-Braun. Und dann immer das Gefühl, das die ganze Presse, die ganze Welt gegen einen ist ….“ /63) oder als gelddruckmaschine für share holder und andere, lediglich am eigenwohl interessierte. auch diese seite der wirklichkeit wird angerissen und wirkt desillusionierend. insofern sei das werk auch als eine nachdenkliche lektüre für erwachsene empfohlen.

der autor, Kay Löffler, hat sich den fragen des teilnehmerkreises gerne gestellt und freimütig auskunft erteilt, warum und wie er schreibt. er verriet uns: das schreiben sei ausdrucksform und inneres bedürfnis. die geschichte sei ursprünglich für seine eigenen vier kinder konzipiert, dann aber habe sie ein eigenleben entwickelt. die arbeitsweise sei szenisch gewesen im filmischen sinne, die szenen keineswegs linear entwickelt, sondern durchaus lückenhaft und sich erst allmählich mit erweiternden ideen schließend. zum beispiel sei das pferd Cherokee erst später eingeführt worden, um dem lebensgefühl der Vanessa („Typ Lehrerin“ /7) ausdruck zu verleihen. die muse müsse zwar mindestens einmal küssen, aber der rest sei arbeit bis hin zur korrektur der druckfahnen.

littreff.medio dankt Kay Löffler für seine aufgeschlossenheit und dafür, uns sein werk näher gebracht zu haben.

© 03.11.2013 brmu

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littreff #1 auftakt

die auftaktveranstaltung zum literaturlesetreff im medio am 4.10.2013 war ein erster blick in das räderwerk des literaturbetriebs und dessen begrifflichkeiten. fotos dazu finden sie auf der homepage des fördervereins der stadtbibliothek bergheim: http://www.bibliotheksfreunde-bm.de/littreffmedio.html.
Joachim Röhrig hat dazu einen artikel mit dem titel "Literatur gemeinsam erleben" im Kölner Stadt-Anzeiger vom 7.10.2013 geschrieben, lokalteill Rhein-Erft (s. 29).
von den beiden angebotenen versionen der präsentation wählte der teilnehmerkreis klug die kurze, die dann im hinüber und herüber der fragen und antworten noch lang genug geriet. alle waren bei der sache, dafür mein herzlicher dank; manche/r staunte und flüsterte dem nachbar zu: „das hab’ ich noch gar nicht gewusst“. die beste voraussetzung für unsere arbeit an den werken regionaler autor=innen.

aus vier kurz vorgestellten werken der lyrik und prosa (Evert Everts, Gert Grünert, Kai Löffler und Dennis Vlaminck) entschied sich der teilnehmerkreis für Kai Löfflers „Dorf der Wolkenmacher“, dessen roman wir nun für das nächste littreff#1 am 31.10.2013 (ab 16:30uhr) im raum M1 in der 2. etage des mediogebäudes besprechen wollen. bringen sie viele notizen mit (seitenzahlen nicht vergessen, damit wir alles wiederfinden können) und natürlich auch freunde und bekannte, die sich ebenfalls für literatur interessieren.

© 05.10.2013 brmu

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littreff pk

pressekonferenz zu littreff.medio am 18.7.2013 (11:30-12:00 uhr) in Stadtbibliothek Bergheim erfolgt - zwei pressevertreter erschienen: Fr. Nikolai / Kölnischen Rundschau, Hr. Meisen / Kölner Stadtanzeiger - pressemappe mit infos für die presse – fragerunde interessiert – kernbotschaft:

ziel: verständnis von werke der autor/inn/en der region um Bergheim fördern - dafür literaturlesetreff im medio (littreff.medio) konzipiert – etwa alle vier wochen werden werke gewählt und unter anleitung und moderation genau gelesen - ergibt fundierte meinungsbildung durch lesekompetenz – dann mit autor/inn/en ins gespräch kommen - bei allem zählt lesepaß – start: freitags, 4. 10. 2013 um 16:30 uhr in der stadtbibliothek – weiteres: homepage förderverein und Stadtbibliothek Bergheim

alle lesewilligen sind eingeladen: eine/r zu wenig - zehn schon ganz gut - hundert eher zu viel

© 19.07.2013 brmu

hier der artikel von Wilfried Meisen im Kölner Stadt-Anzeiger in der ausgabe vom 20.7.2013:

KSTA Literatur-als-soziales-Erlebnis3-130720-wm

Bild (Asuzug): Meisen / (v.l.n.r.) Mitglieder des Fördervereins Stadtbibliothek Bergheim: Sonja Schulz (stelv. Vorsitz), Bernhard Ulbrich (Moderator littreff.medio), Werner Wieczorek (Chef Stadtbibliothek), Rainer Hahn (Vorsitz), Berthold Schulz (Öffentlichkeitsarbeit) / eingestellt am 20.7.2013

zum selben thema erschien in der Rhein-Erft Rundschau vom 31.7.2013 ein artikel von Melanie Nicolai, einzusehen hier.

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