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Brand animiert philosophie

was haben worte und bilder gemeinsam? sie bewirken in unseren köpfen denkprozesse, die zu vorstellungen werden und schließlich zum wille, daraus etwas abzuleiten – zu handeln oder nicht zu handeln. so haben die kunst der literatur und des films eine schnittstelle in unseren hirnen.

Michelle Brand liebt die philosophie als eine der edlen denkoperationen und hat das bewundernswerte talent, diese in bewegte bilder nachvollziehbar umzusetzen. eine kostprobe bildet ihr zweiter animationsfilm „The journey never starts. The journey never ends.“ er erhielt 2016 in Dresden den „Sonderpreis Animation“ im rahmen „Deutscher Mulitmedia Preis mb21“ in der alterskategorie „21-25 jahre“. hut ab! litbiss gratuliert.

Brand film2016

Michelle Brand, animationsfilm „The journey never ends. The journey never ends.” 2016

der film hat den preis mehr als verdient. er ist philosophisch-poetisch und trifft den nerv der zeit, ein wahrer spiegel des verhaltens. aber immer mit dem blick über den horizont, ja quasi der sehnsucht nach besserem, nach lösungen, nach der heiterkeit der offenen weite.

Michelle Brand war so freundlich und gab litbiss anfang des jahres 2017 ein interview, wie sie zum animationsfilm kam:

hi, mein name ist Michelle Brand, ich bin in Elsdorf-Heppendorf aufgewachsen, zu einer zeit, die mich noch lehrte, draußen im garten zu spielen und die natur wertzuschätzen.

als junger mensch habe ich in der schule am liebsten im kunst- und philosophieunterricht gesessen!

dabei inspirierte mich immer das gelernte selbst. Cézanne hat mich gelehrt das malen zu lieben, Aristoteles und Kant das denken. vieles, was ich dort vor jahren lernte, benötige ich jetzt immer wieder, auch als inspiration.

meine ausbildung als BA Animation Studentin genieße ich jeden tag. mit dem studium ist ein traum in erfüllung gegangen. der arbeitsumfang ist enorm, aber unglaublich erfüllend.

so kam es dann, dass ich in England mehrere animationsfilme produzierte. der film 'The Journey Never Starts. The Journey Never Ends.' ist ein film aus meinem zweiten studienjahr - eine zeit, in der man experimentiert, spaß hat, materialien einfach ausprobiert, und sich selbst und seine fähigkeiten herausfordert. für mich war dieser film selbst ein experiment - von der idee bis zur fertigstellung eine unberechenbare reise.

mein erster animationsfilm war eine herausforderung, in der ich mich selbst prüfte.er stellte zugleich meine facharbeit in philosophie dar, in der verschiedene theorien zum thema glückseligkeit visuell erklärt werden. zuvor hatte ich noch nie eine animation erstellt oder gelernt - ich sprang also ins eiskalte wasser.

das arbeiten mit diesem metier macht einfach spaß. es bleibt immer spannend, jeder film ist anders. bewegung und figuren, alles hat seine ganz eigenen regeln in der filmwelt, und diese einzigartige welt existiert erst durch das betrachten des films.

mein neuer film „The Journey Never Starts. The Journey Never Ends.“ zeigt eine reise durch die gedankenwelt. gedanken kommen und gehen, jede szene existiert nur im moment, er vergeht und führt zu etwas neuem.

sie werden in dem film auch hoffentlich ihre eigenen gedanken wiedererkennen. schließlich war ziel des films nicht, meine eigenen gedanken zu porträtieren, sondern den zuschauer mit auf eine reise zu nehmen, an der er teil hat – „diesen gedanken hatte ich auch schon so oft!“, ist zum beispiel eine schönes feedback, das daraufhin meist zu interessanten, teils philosophischen diskussionen führt.

über mich finden sie im internet auf Vimeo ein paar filmausschnitte und produktionsprozesse, die man gerne besuchen kann. eine website ist zurzeit noch in produktion.

von dem Deutschen Multimediapreis 2016 erhoffe ich mir vor allem viele nette menschen kennenzulernen und interessante, neue werke zu sehen! an solchen festivals sind die anderen filmemacher/medienkünstler eigentlich das schönste, und die ganzen spannenden gespräche, die dort entstehen.

mein nächstes projekt wird ein experimenteller animationsfilm werden, der teils digital und teils traditionell mit acrylfarben erstellt wird. er basiert auf Heraklitus lehre des seins – „wir steigen in denselben fluss und doch nicht in denselben, wir sind es und wir sind es nicht.“ im film wird die flussmetapher visualisiert, und die entstehung von zeit und bewegung im film selbst exploriert. denn animation ist vor allem eins – die illusion von leben und bewegung.

litbiss wünscht ein erfolgreiches studium mit spannender künstlerinkarriere.

© 04.01.2017 brmu

 

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