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Goethe in Aachen

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© 31.10.2015 foto brmu: Andreas Rumler präsentiert sein buch
(siehe auch diesen blog: http://www.litbiss.de/web/littreff-m)

das Literaturbüro in der Euregio Maas-Rhein e.V. hatte am 31.10.2015 in das Haus Löwenstein am Markt (Ratssaal) in Aachen eingeladen. thema: „Ein virtueller Spaziergang durch Goethes Leben“. Andreas Rumler gönnte uns einen einblick in sein bündiges Goethebuch „Johann Wolfgang Goethe: Dichter – Staatsmann – Universalgenie“ in einer opulenten bilderschau mittels moderner präsentationstechniken. wir wurden wie zeittouristen durch die vita Goethes geführt. querverweise auf sein werk gaben den blick auf den literaten frei, hinweise auf seine staatsmännischen funktionen in Weimar erdeten den oft als Olympier überöhten autor. alles an passender stelle, so dass sich ein ganzes ergab.

naturgemäß ist ein über achtzigjähriges, ereignisreiches leben nicht in einer schulstunde erläutert. es waren derer zwei, was das etwa zwanzigköpfige, interessierte publikum nicht störte. in der engagierten diskussion kam man schnell ins allgemeine und dabei auf die verbreitete, hymnische art und weise der rezeption des kanonisten JWG und forderte, ihn für die jüngeren generationen kritischer als autor darzustellen. vor allem sei seine tätigkeit als staatsmann und die damit verbundenen, ethischen implikationen heute kritischer zu sehen.

das führte zu der bemerkung, dem autor gegenüber seinem werk nicht das übergewicht zu verleihen, wie es schon Roland Barthes mit seiner generellen these, der autor sei tot, gefordert hatte. nicht Goethe sei im fokus, sondern sein werk oder einzelnen teile dessen. da aber JWG in geradezu manischer art und weise alles und jegliches notiert habe, sei eben ein riesiges konvolut an daten, fakten und bemerkungen der eigeninterpretation vorhanden.

dem blogger fällt beim abfassen dieses artikels ein: es wäre interessant zu erfahren, was die Goethe-Gesellschaften und Goethe Institute als die "promotion agenturen" JWGs zu dem obigen gedanken einer zeitgemäßeren rezeption beitragen könnte. wie können wir wegkommen von der ältlichen glorifizierung, hin zur aktuellen, werkimmanenten rezeption für diejenigen, für die autoren eigentlich schreiben: nicht für schüler/-innen im schonraum der schule, sondern für leser/-innen mitten im leben. JWG hat eine reihe von aktuellen themen zu bieten, die sogar den brückenschlag zu Albert Camus erlaubten. ich denke dabei an den „Werther“.

es ist eine gelungene sache, wenn ein kleines werk über ein scheinbar gänzlich ausgeschöpftes thema eine frische und nachdenklich stimmende diskussion entzündet. Andreas Rumler sei dank!

© 01.11.2015 brmu

 

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