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Ransmayr war in China

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Insa Wilke mit Christoph Ransmayr im gespräch
© 21.10.2016 foto brmu:

Christoph Ransmayr, der wortgewaltige österreichische autor und satzakrobat, hat in schon bekannter manier seine neue reise, wir sollten besser exploration oder exkursion sagen, diesmal nach China, wieder für uns in ein überaus lesenswertes buch verdichtet.

es erscheint erst ende des monats. wer die LitCologne am 21.10.2016 im WDR Funkhaus besucht hatte, der erhielt die chance, dieses buch bereits vorher in händen halten zu können – von des meisters hand signiert. ein schöner schatz in jeder bibliothek.

es sollte gar kein roman werden, so gestand er der abendlichen gesprächspartnerin Insa Wilke, aber dann sei der fluss des schreibens gekommen und dem könne man sich als autor eben nicht entziehen.

im wechsel zu den beiden gesprächsrunden – die gesamte veranstaltung kann am 30.10.2016 im WDR 5 „Lange Nacht der Bestseller“ nachträglich miterlebt werden – konnten wir uns auch von der bemerkenswerten lesekunst des autors überzeugen: ein glück so schreiben und lesen zu können.

worum geht es? in aller kürze der plot des 18. jahrhundert: ein automatenbauer namens Alister Cox aus England liefert dem Kaiser von China die bestellte ware persönlich via segelschiff aus und sieht sich dem allmachtsanspruch des kaisers als herr über die ewigkeit konfrontiert. schafft er es, die aufgabe, eine uhr für die ewigkeit zu bauen, so zu lösen, dass er vom kaiser geduldet werden kann?

mein tipp: lesen sie eine erholsame sprache, die balsam wider das twitter-gewitter ist. hier nur der erste satz des romans "Cox oder Der Lauf der Zeit", der uns auf das kommende einstimmt: Cox erreichte das chinesische Festland unter schlaffen Segeln am Morgen jenes Oktobertages, an dem Qián-lóng, der mächtigste Mann der Welt und Kaiser von China, siebenundzwanzig Steuerbeamten und Wertpapierhändlern die Nasen abschneiden ließ. (9)

warum?  Jetzt verloren diese gierigen Säue nach ihrem Gesicht endlich auch ihre Nasen! Und das war noch eine milde, zu milde Strafe dafür, daß sie an den Börsen in Beijing und Shanghai und Hang zhou wertlose Papier verkauft und den Schwindel mit Steuergeldern, dem Gold des Kaisers!, zu decken versucht hatten.(15-16)

sind die vergehen wirklich aus dem 18. Jahrhundert? nase ab, ick hör dir fallen. wir haben es also nicht mit einem beschaulichen histörchen aus längst vergangener zeit zu tun. es wird spannend sein, wie und was Ransmayr noch hat einfließen lassen, um unsere zeit zu geißeln.

schreiben macht frei und lesen klug – fast immer.   

© 22.10.2016 brmu
zitate aus Christoph Ransmayr, COX oder Der Lauf der Zeit, S. Fischer verlag 2016, seitenangabe

 

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