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Kalker Kaffee #26

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© foto 18.10.2014 brmu

kalter kaffee ist verpönt,
kalker kaffee uns verwöhnt
mit selbst ge[sch]riebenen bohnen,
die sich zu le[e]sen lohnen.

jenseits des mächtigen literaturbetriebes haben Anja Sauerwald, Eicke Frohwein, Heiko Schomberg und Hartmut Ernst vor etwa fünf jahren ihren literaturzirkel Kalker Kaffee gegründet, zunächst im privaten wohnzimmer zur beschäftigung mit selbst geschriebenem, nun geöffnet auch für gastleser/innen und gasthörer/innen im Kalker Bürgerhaus. der karge keller lässt noch den spät-studentischen impuls ahnen, der dieser honorigen initiative zugrunde liegt.

die beschäftigung mit literatur ist ein kommunikatives training über die ach so vielfältigen weltsichten. Goethe sprach von anschauung und schrieb darüber und blieb. heute wissen wir von Warhol, dass es nur noch für eine viertelstunde reiche. da sind zwanzig minuten lesezeit ein geschenk des quartetts an alle willigen. ein hoch den kellerkindern!

das programm KK#26 startete mit dem gast Frank Osthoff, dessen kernige spottgedichte mit vortrefflichen wortbedeutungsverdrehungen unsere gehirnwindungen in anspruch nahmen. die „gästin“ Sigrid Krekel sinnierte über unsensible förster mit knackarsch im wald und ein recht versoffenes freundesduo am kneipentresen, beides nicht ohne deftige männerkritik. Heiko Schomberg sodann forderte in drei rollen solide fußballkenntnisse ein, insbesondere, was die taktik von sieg und niederlage anbetrifft, dies getrennt durch eine kleine pause. denn: vieles denken und mitdenken verbraucht den sauerstoff im keller.

in der zweiten hälfte des abends lasen dann noch der gast Bernhard R. M. Ulbrich, der zu dem problemthema „liebe“ einen zug quer durch seine lyrik, prosagedichte und prosa brachte, und „Ernesto“ (Hartmut Ernst) mit seinen kritischen gedanken zum tumben tourismus an befremdlichen vogelvolieren in so genannten „natürlichen vogelparks“.

über zwei stunden lang zeigte das publikum gute resonanz, klatsche, lachte und murmelte meinungen. es gab denen im rampenlicht auf der lesebühne mut, weiter zu machen. anschauung endet nie.

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wer sich einen eindruck verschaffen will, der klicke auf das bild.

© 20./24.10.2014 brmu

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Liebe im lande

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© Foto 10.10.2014 brmu / Ralf Liebe vor seinem Lebenswerk in Weilerswist

er ist wieder da, in seiner wohl einzigartigen mischung aus druckerei und verlag, ralf liebe aus weilerswist, der bücher an einem tag, vom schreiben bis zum fertigen produkt, erstellen kann. bewiesen im jahre 2003 mit dem abgebildeten buch „Tempo – Ein kreatives Abenteuer zum Welttag des Buches, 23. April 2003“.

wer ihn kennt, wundert sich nicht. die auszeit auf 3.500 km Camino-wanderung quer durch Europa von August bis Oktober 2014 war ihm eine energietankaktion für die nächsten jahre im kampf um gute bücher und lesehungrige kunden. von rückzug keine spur!

auf die frage, ob er denn den freunden des hauses über seine beweggründe, erfahrungen, erkenntnisse und entschlüsse bezüglich seiner zukünftigen berufung als druckender verleger oder verlegender drucker auf der langen strecke berichten wolle und wie, kommt ein zögern und verlegenes lächeln. nein, eigentlich wolle er darüber nicht sprechen, es sei genügend über den Camino geredet und geschrieben worden. die wanderung sei eine zutiefst private sache. die tatsache, dass er weitermache, möge beredt genug sein.

und wie geht es konkret weiter? die zigarette drehend, lugt er hoch und spricht von drei säulen: die einmalige kombination der beiden säulen druckerei und verlag unter einem dach und in einer hand, das sei in deutschland wohl einmalig. und drittens, muss ich nachfragen. die dritte säule sei ganz aktuell: er habe sich als bürgermeisterkandidat für Weilerswist aufstellen lassen, dies parteilos und mit zukunftsweisenden plänen für weilerswist. es gäbe gute chancen.

das überrascht, hatte Ralf Liebe doch eben noch von dem zeitaufwand für das büchermachen gesprochen und vor allem für das marketing derselben. er habe sich entschlossen, nach seinen möglichkeiten weiterhin wie früher angebote an die leserschaft zu machen, indem er bücher, die ihn überzeugten, auf sein risiko hin verlege (eigentlich vorlege), auf kundschaft hoffend. daran wolle er nichts ändern. die politik sei neuland. wie das unter einen hut passt, bleibt zunächst unausgesprochen.

damit das verlegerische konzept funktioniert, so der interviewer, brauche er also gute autoren – „und die ihn“, ergänzt er selbstbewusst. was denn autorinnen und autoren tun könnten, um seinen qualitätskriterien zu genügen? das sei einfach und schwierig zugleich. das werk „müsse ihm sympathisch rüberkommen“: epigonentum zähle nun einmal überhaupt nicht dazu, weder in der lyrik noch in der prosa. eine frische, unverbrauchte sprache sei grundvoraussetzung, wie es Axel Kutsch, einer seiner frühesten weggefährten, auch fordere. der rest sei in gewisser weise handwerk, das den lektor brauche, der er ebenfalls auf dem weg zum buch sei.

im laufe des gesprächs wird mir klar, dass sich an dem konzept für den verlag wenig nur ändern wird. das kann autoren und leser, die den verlag kennen und schätzen, gefallen. wie aber neue gewinnen? das ist nach wie vor schwer.

das hat sicherlich etwas mit unserer lesekultur zu tun. wer aus gründen der bequemlichkeit bei der amazone bestellt, der word opfer des wirtschaftlichkeitsdiktats am massenmarkt. masse ist aber nicht gleich klasse! die goldnuggets findet man eher auf den seitenwegen des literatur­betriebs, wie bei Ralf Liebe.

© 10.10.2014 brmu

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Hahn's gedichtwelten

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© foto 11.10.2014 brmu / Ulla Hahn signiert im Flur vor dem Sendesaal des WDR-Funkhauses in Köln

lit.Cologne Spezial. nach der kür mit der moderatorin Sabine Scholt, gegen die sie, Ulla Hahn, sich bestens behauptete, und den lesungseinschüben aus ihrem dritten, autobiographischen band "Spiel der Zeit", nun die pflicht: signiermarathon, eine reichlich lange schlange von bewundernden mit büchern in der hand.

und trotzdem immer ein freundliches wort. vor mir in der schlange möchte jemand einen besonderen kölschen spruch von ihr als signum eingetragen haben. die schriftstellerin blickt kurz auf und sagt: „in dem buch sind genug solcher sprüche“ und schreibt zum x-ten mal ihren namenszug in „Spiel der Zeit“. ein entwaffnendes lächeln beendet die szene.

„mir bitte nur ein einfaches signum mit datum.“ ich nutze den kontrast. erleichtert schaut sie auf, ich lege die „Gesammelten Gedichte“ auf den tisch. sie lächelt wissend. „vielen dank für den schönen abend“, bemerke ich. sie lächelt mit etwas müden augen aus ehrlichem gesicht. wehe denen im hamsterrad des literaturbetriebs, denke ich im mitgefühl. ein fotograf fummelt mit seiner monströsen fotokanone herum, dann ist schon der nächste an der reihe.

ich habe meine trophäe: die essenz aus elf gedichtbänden! sie ist in dem sammelband vereint, ein schwergewicht von 877 seiten deutscher gegenwartslyrik, lesbar, verstehbar; zu resonanz fähige lyrik. das letzte gedicht aus der serie „fünfte jahreszeit“ lautet:

„traum vom schreiben
ohne worte zu machen
wahrtraumdeuterey“

das urprogramm aller mit schreibdrang, dem schreibenzwang zu entkommen, ohne mit diesen ewig missverständlichen worten an der weltdeutung teilhaben zu können. das „y“ als wurzel aus alten sprachzeiten bis heute hinauf in die krone, die Ulla Hahn trägt.

© 11.10.2014 brmu

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Axel Kutsch im gespräch

zeit und zeitgeister“ – der unter diesem motto im Rhein-Erft Kreis stattfindende literaturherbst 2014 macht in diesen wochen mit einem neuen konzept von sich reden: etablierte literatur meets poetry slam auf der suche nach slam poetry.

Axel Kutsch, über jahrzehnte bekannt als lyriker (Ikarus fährt Omnibus) und anthologist von lyrik aus ganz deutschland (Versnetze) mit über 30 publikationen im regal, legte im gespräch mit litbiss seine gedanken dazu dar. gesprächspartner war b.r.m.ulbrich, litbiss-blogger.

brmu: was hält ein so bekannter lyrik-anthologist von poetry slam?
A.K. meint, im weitesten sinne gehöre poetry slam zur literatur, unterscheide sich aber in der form der darbietung deutlich, der event- und wettbewerbscharakter überwiege offensichtlich, „überfahre“ mitunter den text; „schlagertexte wirken auch nicht ohne die melodie.“

brmu: nehmen wir die melodie weg, welchen eindruck hinterlassen poetry-slam-texte, auch als slam poetry benannt, auf den lyriker Kutsch?
A.K.: „nach meinen bisherigen poetry-slam-eindrücken, die ich live, am fernseher und im internet gewonnen habe, werden bei solchen veranstaltungen oft texte vorgetragen, die sich angesichts ihrer bescheidenen literarischen qualität nicht unbedingt für eine veröffentlichung in büchern aufdrängen.“ daher sei ja auch die stütze des events erforderlich, was nicht abwertend gemeint sei. bekanntlich hätten die Dadaisten ähnliche verfahren der präsentation ihrer lyrik angewendet. so neu sei poetry slam also gar nicht.

brmu: erfolgreiche lösungen werden tradiert, sagt der biologe. wenn man an die üblichen lesungen denkt, dann kann die vom autor gelesene literatur durch die art seines vortrags gewinnen oder verlieren. wie sehen sie diesen aspekt beim poetry slam?
A.K. unterstreicht mit der hand, dass „ein gewisser unterhaltungswert sich dadurch einstellt, dass manche slammer ihre texte auf der bühne gekonnt wiedergeben. es überwiegen eventcharakter und amüsement, wogegen nichts zu sagen ist. aber mit nennenswerter literatur hat poetry slam in den meisten fällen nichts zu tun.“ in der performance sei der text oft nachrangig, daher könne slam poetry auch besser per dvd wiedergegeben werden, denn per buch.

brmu: aber poetry slam ist in. würden sie aufgrund der starken resonanz beim jungen publikum eine poetry-slam-anthologie herausgeben, hoffend, dass dies die lyrik-szene belebe?
A.K. schüttelt den kopf: „lesen möchte ich kaum etwas davon.“ aber man müsse fair sein und zugestehen, dass sich die qualität über die jahre bessern könne, vor allem, wenn so mancher slammer intensiver an seinen texten arbeiten würde, denn im buch müssten diese nun mal für sich alleine wirken.

brmu: das erinnert an durststrecken. welchen rat können sie den slammern und auch poeten geben, um die qualität ihrer texte zu verbessern?
A.K. zögert, denkt lange nach und summiert, es gebe wohl einen set allgemein gültiger qualitätskriterien, über den man in workshops oder seminaren nachdenken könne, wie etwa das vermeiden abgenutzter metaphern, altbackenen sprachgebrauchs, epigonal wirkender formulierungen. positiv ausgedrückt: „die lyrik sollte ambitioniert sein, die diktion unverbraucht“.
es gebe aber ebenso gewichtig auch eine individuelle komponente, den persönlichen geschmack, den man durch die lektüre anerkannt guter gedichte schulen könne. also: lesen, lesen, lesen. qualität in der lyrik, das sei ein schwieriges thema und könne in der regel nur durch langjähriges beschäftigen mit ihr reifen.

brmu: bleiben versuch und irrtum. welchen rat würden sie slammern und poeten gleicher­maßen auf dem weg zur veröffentlichung ihrer wortkunst mitgeben?
A.K. schaut erstaunt, lächelt verschmitzt und deutet an: wenn der text raus müsse, dann aus ureigenem antrieb, nicht im auftrag oder zu irgendjemandes gefallen. danach komme viel handwerk aus erfahrung mit der sprache. der dichter und slammer sollte den drang, ja zwang zum schreiben in sich spüren.

man kann nicht ansatzweise von lyrik leben, aber man kann wunderbar mit lyrik leben.“ dieses bonmot von Axel Kutsch, in dieser runde aus seinem munde, ist ein heiterer abschluss eines für manche ernsten themas.

zu dem thema der qualität von lyrik sei auf zwei anthologien hingewiesen:
Jürgen Nendza, Hajo Steinert (hrsg.), stadt land fluss – Eine Lyrikanthologie, Lilienfeld 2014, selbstredend auch gedichte von Axel Kutsch enthaltend! und:
Axel Kutsch (hrsg.), Versnetze_sieben, Verlag Ralf Liebe 2014, erscheint im Oktober d. j.;

siehe auch http://www.litbiss.de/web/littreff-m; scrollen bis littreff#6 Ikarus frei nach Kutsch

© 13.09.2014 brmu

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lit.herb.14

litherbst akteure-140905-bu

© foto 05.09.2014 brmu / die akteure des abends, v.l.n.r.:
Evert Everts, Prof. Dr. Gynter Mödder, Margit Hähner, Dr. Rainald Hahn, Lars Röcher, Florian Golz, Isolde Ahr, Jan Muschiolik

literaturherbst. zeit der bunt fallenden, welken manuskriptblätter? weit gefehlt! dynamische 18 tage dem äquinoktium voraus, begann in Bergheim der diesjährige literaturherbst schon im spätsommer mit bravour und bravissimo. vor voll besetzten stuhlreihen - dem leiter der Stadt­biblio­thek Bergheim, herrn Werner Wieczorek sei dank für die präparation des raumes, von der erfrischenden Gugy-Band des Gutenberg-Gymnasiums unter der leitung von Henriette Bender mit schmissigem sound unterstützt, zeigten poetry slammer und dichter/innen ihre wortkunst.

diese gelungene mischung hatte sich der Förderverein der Stadtbibliothek Bergheim (FSB), maßgeblich an der organisation des starts im Medio mitarbeitend, einfallen lassen. an dieser stelle ein dankbarer handschlag dem vorsitzenden, Dr. Rainald Hahn, ohne dessen zielstrebig­keit dieser schöne erfolg nicht gelungen wäre.

der wechsel von jungen, aufbegehrenden poetry slam vertretern, die wortfreudig (man scheute auch kein straßendeutsch) und stimmgewaltig (mikrophone wurden eher nicht gebraucht) ihre poesie in den raum donnerten zu den eher sprachgewandten und dagegen leise lesenden, arrivierten autorinnen und autoren der rheinischen region, war in seiner ausprägung beeindruckend. das aber nicht konkurrierend, sondern ergänzend.

die gesamte veranstaltung unterschied sich dadurch wohltuend von den betulichen, sattsam bekannten lesungen vor einem publikum als staffage. dieser ganz andere mix des gestrigen abends war wohl auch – ich spekuliere – der grund, warum die offiziellen gäste, Frau Bürgermeisterin Maria Pfordt (Mitglied im FSB), der stellv. Landrat des Rhein-Erft Kreises, Herr Guido van Berg und der Kulturdezernent des Rhein- Erft Kreises, Herr Engelbert Schmitz (der so eine gelungene Veranstaltung noch nicht erlebt habe, wie er meinte) bis zum ende dabei waren. auch die beiden hauptsponsoren des literaturherbstes, in persona Frau Elisabeth Thelen (RheinEnergie) und Herr Christian Brand (Kreissparkasse Köln) zeigten sich amüsiert interessiert.

das programm war ein kaleidoskop der themen und formen. der slam master Lars Röcher setzte die maßstäbe mit seinen rhythmisch akzentuierten texten aus der jetztzeit „wenn du mit mir sprichst“ und „schlag wort“, darauf antwortete Evert Everts (ARE) mit kindheits­erin­nerun­gen an den großonkel, der nach dem ersten weltkrieg verstummte, was wir heute mit dem wortungetüm >posttraumatisches belastungssyndorm (ptbs)< benennen.

die pause war gefüllt mit angeregter plauderei und fingerfood und alkofreien getränken zur freien auswahl. die Gugy-Band, die den abend über zur superform auflief, lockte alle wieder in die stuhlreihen und weiter ging es mit Lars Röcher und dem text „stell dir vor“. er gab das mikro an seinen kollegen Florian Golz (Floriginal) ab, dessen gesellschaftskritik die laut­spre­cher­mem­branen flattern ließen. die antwort waren wieder stille, mit geschulter stimme professionell vorgetragene erinnerungen nach dem zweiten Weltkrieg von Isolde Ahr (ARE): „vater kommt zurück - 1949“, auch hier ist das ptbs des vaters offensichtlich und lässt den kleinen sohn, der nun seine mutter an den ihm verloren hat, verstummen. der zweite text holte uns aus nachdenklichkeit und betroffenheit wieder zurück. der text „eine zeitreise – wohl behütet.“ machte uns mit der pillbox bekannt, ein accessoire als kopfschmuck, den ich für meinen teil bislang überhaupt noch nicht kannte.

Gugy spielte und sang uns wieder den kopf frei für die letzte runde. der slammer Jan Muschiolik (Jansen Sourround) rief uns das „recht auf freiheit“ ins gedächtnis und brachte uns damit wieder in die bedenkliche aktualität zurück. es fielen unbequeme sätze, die wie brennesseln auf dem trommelfell brannten und aufwühlten. den ausklang beherrschte Margit Hähner (ARE), die mit ihrem text „latte macchiato“ sozialkritisch die „gentrifizierung“ in einem kölner stadtviertel durch die hippen reichen glossierte. am ende wird die protagonistin ein café aufmachen, um diese kundengruppe zu melken.

durch das programm führte der vorsitzende des Autorenkreises Rhein-Erft (ARE), der autor Gynter Mödder. er moderierte nicht, er mödderte! mit kessen sprüchen, wortverdrehungen und bedeutungsverkehrungen in seiner ureigenen art, nahm er die damen und herren auf der büh­ne auf den arm und verteilte dabei fleißig bücher aus dem fundus des ARE.

denn eines ist unser aller antrieb: die literatur braucht leserschaft, die braucht orientierung, die gibt ihnen solch ein abend. dank an alle, die mitgeholfen haben, den erfolg möglich zu machen. ein >schade< an alle, die nicht gekommen sind. eine einladung an alle, die beim nächsten mal kommen wollen.

eine chance ergibt sich am 26.9.2014 bei littreff.medio , wo wir Carsten Sebastian Henn, den Krimiautor,  Hürther Kulturpreisträger (2005) und aktueller Kulturpreisträger des Rhein-Erft Kreises am selben ort als diskussionsgast begrüßen weden und am 24. 10. 2014 bei „Junge Autoren der Region“.

© 06.09.2014 brmu

s. auch BMTV Regional Fernsehen.:

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matrix36

Matrix Kutsch-Portät
© 2014 foto brmu vom cover MATRIX im POP-Verlag Ludwigsburg

was? sie schreiben gedichte! das liest doch keiner, elitär unverständlich, das verlegt doch keiner, ein verlustgeschäft, im literaturbetrieb eine marginalie, vergebene liebesmüh’ – so oder ähnlich sind die kommentare zu manuskripten, auf denen sich lyrisches erhebt.

aber H.C. Artmanns proklamation (1) aus der mitte des letzten jahrhunderts richtet auf: „der poetische act ist dichtung um der reinen dichtung willen. er ist reine dichtung und frei von aller ambition nach anerkennung, lob oder kritik.

lass sie reden, wahre dichter schreiben und nehmen das heft in die hand, wie Axel Kutsch. sie sammeln lyrische texte, geben sie unter einem dachthema wie „Versnetze“ heraus und finden mutige verleger, wie Axel Kutsch. sie lassen sich vom wirtschaftsdiktat des literaturbetriebs nicht einschüchtern, sie wissen um den wert lyrischer sprachstücke, wie Axel Kutsch.

aufgrund seiner ausbildung als journalist hat er einen kritischen blick ins gesellschaftliche erworben, trotz dieser ausbildung hat er sich seine lyrische sprache erhalten, mal ernst, mal humorvoll, ironisch oder sachlich, immer dem gedanken im gedichte folgend:

Zur Nacht / Lieber Bub, gleich wird es Nacht. / Das AKW wird dicht gemacht. / Es strahlte uns so lange an. / Ruh sanft, mein kleiner Strahlemann. (2) die frage ist, wo ruht der kleine bub, im bett oder im grab? das gute-nacht-liedchen lässt zeitverzögert stutzen und einem das blut stocken. das ist beabsichtigte denkarbeit im hirn der leserschaft, auf das sie’s denken schafft.

das ist nur ein griff in den aktuellen querschnitt seiner lebenslangen arbeit an worten und versen in der neuen ausgabe von „Matrix“ aus dem POP-verlag. dem verleger und lyriker Traian Pop sei aufrichtiger dank für diese würdigung eines unbestechlichen geistes unserer tage, denn „Er schrieb Gedichte / für eine bessere Welt. / Sie wurde nicht besser, / sein Werk gefällt.“(3) beim turmbau zu Babel hat es auch einen dichter gegeben, der uns kunde gab.

weiteres zum werk des lyrikers auch bei KUNO| Kulturmagazin zu Kunst, Musik und Poesie und bei BOOKRIX von M. Hagedorn, Lyrik als Zusammenführungskunst, ein Würdigung des Herausgebers und Lyrikers Axel Kutsch, e-book zum online-lesen.

wenn SIE wissen wollen, was Axel Kutsch noch so alles drauf hat, dann schauen SIE in die MATRIX als die neutrale struktur, in der dichtung und wahrheit ruhen.

© 21.06.2014 brmu
(1) H. C. Artmann, Acht-Punkte-Proklamation des poetischen Actes (1953) und zitate aus MATRIX Zeitschrift für Literatur und Kunst Nr. 2/2014. (2) auf seite 14, (3) auf seite 16

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bogen&leier&lesung

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© 09.06.2014 foto brmu zeigt Theo Zindler während der lesung vor zahlreichem publikum

der pfingstsonntag am 8.6.2014 bot etwa 70 interessierten jungen und alten eine abwechslung der besonderen art, jenseits des üblichen literaturbetriebs. in der idyllisch lokalisierten Historischen Mühle Freienhagen in Waldeck-Freihenhagen bot der lehrer, alt-lateiner und begeisterter Horaz-kenner Theo Zindler einen einblick in seine ’fünf bücher’, wie er die einzelnen kapitel der humorvollen und nachdenklichen lesung „Bogen&Leier“ genannt hat.

den willkommensauftakt gab der eigner der mühle, Werner Liebchen, der uns im übrigen vorher einen spannenden einblick in die geschichte der mühle aus dem jahre 1717 gegeben hat. wir konnten uns von der wassertechnik damaliger zeit geräuschvoll, quietschend, schwirrend und platschend überzeugen. danach verlas brmu auf wunsch T. Z.’s das ihm gewidmete grußgedicht (s. poem vom 8.6.2014).

und dann ging es los: ein rauschen und bauschen sprachlicher gewebe, zart oder straff, blumig oder deftig, oft auch untermalt von eingeblendetem bild und ton. das publikum ging beschwingt mit und wurde auch eingebunden – das schafft nähe und lässt die verse wirken. nichts von der schwere lyrischer lesungen, elitärem getue oder überheblichem gehabe. hier aus der lesung ein kleines lied zur panflöte:

Lied zur Panflöte - Hen kai Pan

Pans Weise
Flötet durch stehende Luft
Leise
Und schweren Duft.
Es verstummen
Schnarrender Lärm der Zikaden,
Hummel- und Bienensummen.
Tropfende Quellen laden
Schläfrig dich ein,
Mittags den Tag zu vergessen
Und indessen -
Eins mit der Welt zu sein.

Theo Zindler nahm uns mit in seine gedankenwelt aus all seinen lebensjahren, von denen er immerhin über 80 zählen kann. wollte man alles genau verstehen, so sollte man die welt der alten römer kennen und in wenigen fällen sogar deren sprache – aber Theo Zindler rettete uns immer mit einer eigenen, kongenialen übersetzung. der abend war anregend, ohne ins angespannte zu kippen. als lyrik-blogger habe ich gestaunt, wie inspirierend eine lesung sein und wie ein publikum an den lippen hängen kann, ergo: ansporn und reifung.

mögen Theo Zindler als freund im geiste der lyrik noch eine reihe solcher lesungen gelingen und die summa vitae auch als buch „Bogen&Leier“ erscheinen können. er als menschenfreundlicher zeitgenosse hat es verdient.

© 09.06.2014 brmu

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Goethe wozu?

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© 09.05.2014 foto brmu: Dr. Manfred Osten trägt vor: „Goethe – wozu?“

am 9. Mai 2014 wurde die rührige Goethe-Gesellschaft in Köln e.V. (GGK) 20 jahre alt und beging dieses zwischenjubiläum auf dem weg in die zukunft mit einem festprogramm: ansprachen, grußworte, ehrungen, erinnerungen und mitten drin ein vortrag von Dr. Manfred Osten mit dem titel „Goethe – wozu?“ man möchte ergänzen: „… ist er noch gut?“

diese frage hat der ex-diplomat erster klasse in geschliffenen, freimündig druckreifen sätzen, ohne manuskript, stück für stück beantwortet, wobei ihm insbesondere der brief von Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832, geadelt 1782, JWG) an den Komponisten und Musiker Carl Friedrich Zelter (1758 – 1832, CFZ) vom 6.6.1825 die entscheidende quelle war. fazit: JWG hat unsere zeit prophetisch vorausgesehen und den quellgrund allen übels: schnellligkeit, beliebigkeit. leider war keine diskussion möglich, in der diese interpretation hinterfragt hätte werden können. hier die fakten:

CFZ hatte aus Berlin an JWG in einem brief vom 4.6.1825 berichtet über die „zentnerschwere Zauberoper ’Alcidor’ von Spontini, die 4 Stunden spielt, …“ sie sei „ein Chaos von den rarsten Effekten, die sich untereinander aufreiben wollen.“ der komponist habe „Verwundrung erregen, erschrecken wollen, und … seinen Zweck völlig erreicht. Er kommt mir vor wie ein Goldkönig, der mit seinem Golde den Leuten Löcher in den Kopf schmeißt. … Was wollte ich denn aber eigentlich sagen? – Soll man verfluchen, indem man selber dabei ist? Soll man leiden, was nicht zu dulden wäre? – So wollen wir (mit Wieland) leben lassen und – leben.“ CFZ meinte, diese musik habe sich „in Karikatur verirrt.“ CFZ ist skeptisch gegenüber dem modernen trend in der musikwelt, aber vertritt wie Wieland den grundsatz: legen und leben lassen.

und sein brieffreund JWG nimmt den gedanken auf. opulent räsoniert er über „jene überfüllte Musik“ von Spontini – und dann in typisch elitärer manier über die ganze welt:

alles aber sei jetzt ultra, alles transzendiere unaufhaltsam, im denken wie im tun, niemand kenne sich mehr, niemand begreife das element, worin er schwebe und wirke, niemand den stoff, den er bearbeite. von reiner einfalt könne die rede nicht sein; einfältiges zeug gebe es genug. junge leute würden viel zu früh aufgeregt und dann im zeitstrudel fortgerissen; reichtum und schnel­lig­keit sei, was die welt bewundere und wonach jeder strebe, eisenbahnen, schnell­posten, dampfschiffe und alle möglichen fazilitäten der kommunikation seien es, worauf die gebildete welt ausgehe, sich zu überbieten, zu überbilden und dadurch in der mittelmäßigkeit zu verharren. eigentlich sei es das jahrhundert für die fähigen köpfe, für leicht­fassende praktische menschen, die, mit einer gewissen gewandtheit ausgestattet, ihre superiorität über die menge fühlten, wenn sie gleich selbst nicht zum höchsten begabt seien. und dann apostrophiert JWG CFZ direkt: „Lass uns soviel als möglich an der Gesinnung halten, in der wir herankamen; wir werden, mit vielleicht noch wenigen, die Letzten sein einer Epoche, die so bald nicht wiederkehrt.

aus dem brief Goethes (zitiert nach Karl Otto Conrady, Goethe 250, verlag Landpresse 1999, seite 85) arrangiert Manfred Osten gekonnt vorgetragen seine schlussfolgerungen als eine prophetie Goethes an seine nachwelt. quellgrund allen übels sei die rasant zunehmende geschwindigkeit, die nichts reifen lasse, und die beliebigkeit (faszilität) der kommunikativen umgangsformen.

gewiss, das ist eine der möglichen verstehensweisen. gewiss, das klingt wie Kassandras ruf. gewiss, das ist die gnade der erkenntnis aus dem geiste eines genies. aber, die interpretationshoheit sei umkämpft mit der bemerkung, dass diesen seufzer alle gebildeten weltversteher, die so genannten weisen, seufzten, da relativ zum besitzstand von kultur und zivilisaitont, nicht zu reden von individuellen interessen, alle veränderungen durch das neue schon immer bedrohlich und irritierend gewesen sind.

tatsächlich konnte Goethe unsere jetzigen verhältnisse niemals voraussehen. wie denn auch, wenn die komplexität der weltgeschichte mit allem drum und dran prinzipiell nicht vorhersehbar und damit ebenfalls nicht planbar ist, weil unser denkorgan – wie es Manfred Osten aus der neurobiologie treffend im vortrag selber zitiert – dazu gar nicht in der lage ist. aber JWG erkannte als empiriker zugrunde liegende muster, die nach dem ähnlichkeitsprinzip entwicklungen als cluster erahnen lassen. das ist das prinzip der denkarbeit von so genannten think tanks in unternehmen oder nationen. die nahe zukunft einschätzen, mehr geht nicht.

es ist keine kunst zu prophezeien, schnelligkeit hindere reifung. jeder bauer weiß, dass seine feldfrüchte von jahr zu jahr unterschiedlich lange brauchen, um den gewünschten reifegrad zu erlangen. so kommt der spruch zustande, ein jegliches habe seine zeit (spezifische entwicklung). man kann es dann noch wie Nostradamus mit kryptisch-diffusen formulierungen anreichern, um viele generationen in atem zu halten.

„reife“ ist ein ziel-terminus der zeit aus beobachtung und der darauf fußenden erfahrung vieler menschen, schnelligkeit hingegen ein „weg-terminus“, ebenfalls aus erfahrung. wer vor der zeit erntet, hat stroh in der scheuer. nur wenn diese beiden aus der balance geraten, dann tritt schaden ein. schnelligkeit an sich ist kein negativum. nur für jene, die wie Goethe beharren wollen, um „die Letzten … einer Epoche, die so bald nicht wiederkehrt“, zu sein. das hat einen hauch von hybris. das ist keine dynamisch „Denke“, die aber zum Verständnis von komplexität gefordert wäre, das ist gönnerhaftes festhalten an hergebrachten verhältnissen nach dem motto: wir sind noch immer die besten. schon die alten vor tausenden von jahren haben darüber geklagt, dass die jungen nichts können, die dann alt wurden und darüber klagten, dass die jungen nichts können, die ….

also: wozu Goethe? meine meinung ist klar:

1.     wir brauchen ihn als alternativen, um zu erkennen, dass denkmuster aus köpfen zu weltmustern werden zu ihren jeweiligen epochen und diese wiederum denkmuster in den köpfen der zeitgenossen erzeugen, die wiederum … ein endlos rekursiver prozess.

2.     wir brauchen sein stimme, weil ihr immer noch gewichtigkeit attributiert wird, aber nicht mehr verklärt, nicht verzerrt, nicht überinterpretiert. denn das macht distanz auf und man winkt ab.

insofern ein großer dank an den vortragenden, der mich wieder ein stück Goethe hat verstehen lassen, in reibung an ihm.

© 13.05.2014 brmu

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Goethe novelliert

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© foto 13.04.2014 brmu / Andreas Rumler (r., Vorstand GGK) vorstellend Dr. Rolf Füllmann (l.)

die rührige Goethe Gesellschaft in Köln (GGK) hat für 2014 ein weitreichendes programm vorgelegt, das am 13. 4. d. j. dem dozenten an der Kölner Universität, herrn Dr. Rolf Füllmann, gelegenheit gab, über seine erkenntnisse zu dem altersstück „Novelle“ von Johann Wolfgang v. Goethe zu sprechen. er stützte sich dabei auf seine publikationen „Einführung in die Novelle“, WBG 2010, seite 100ff., und „Organologisch, nicht geometrisch: Pantheismus, Pietismus und Poetik in Goethes >Novelle< - Eine Lektüre mit Lichtenberg“, Lichtenberg-Jahrbuch 2012.

Novelle“, gleichzeitig ein literarischer gattungsbegriff, ist der programmatische titel eines alterswerks von Goethe, in der Füllmann vier analyse-ebenen ausmacht: (1) poetik der novelle als unerhörte begebenheit, (2) pantheistische anklänge in den verwendeten naturbildern, (3) christlicher mythos steht pate für die löwen-metapher und (4) eine symbolische synthese aus kulturreligion und naturreligion im finalen akt der löwenbändigung durch den knaben mit der flöte. es stecke die summe goetheanischen denkens in dieser novelle, was schon der prototypische titel andeute. die zentralen tiersymbole weisen auf ein anschauunsdenken hin, das nicht analysiere, sondern sythetisiere.

in der nachfolgenden diskussion am katheter und am tresen wurden auch altersweiser humor und gar parodistische elemente gesehen (brmu). so ist das finale derart pathetisch überhöht, dass man auf den gedanken kommen kann, Goethe habe hier bewusst übertrieben, um die heile welt ad absurdum zu führen. sie ist nämlich nicht heil und war es nie! es gibt nur zeitweilig inseln der harmonie, was im ruinenburghof der rundgang des flöte spielenden und singenden knaben mit dem löwen im gefolge andeutet. an kitsch grenzend die lebensferne szene mit dem splitter in einer tatze des löwen, die der junge heraus zieht. man helfe sich mit einem zitat aus der literatur oder bibel. es wirkt doch reichlich abgenutzt und das bei Goethe? kaum denkbar – oder?

und das mochte JWG wohl erreichen, als er hoch betagt 1828 diesen text aus jahrzehnte alten vorlagen erarbeitete: so lange mystifizieren, so lange überhöhen, bis ein kippen einsetzt und alles auf den kopf stellt. was da auf den kopf gestellt wird, erhellt die szene mit der fürstin, die dem edelmann Honorio andeutet, die zukunft liege jenseits dieser gestade, und die szene mit dem fürsten, der von der jagd zurückeilt, um alles notwenige um die bekämpfung des brandes im ort zu managen. alle drei „player“ aus dem novellendreieck übernehmen gänzlich andere funktionen als erwartet. Goethe spielt hier mit den erwartungen der zeigenössischen leserschaft. sie werden damals verdutzt vom buche aufgeschaut haben – was ist das denn? wir heutigen müssen auf diesen akt der verblüffung aufmerksam gemacht werden, weil doch alles so selbstverständlich geworden ist.

und die bunt gekleideten schausteller als „underdogs“ der damaligen gesellschaftsordnung bitten souverän um das leben des löwen – nicht unterwürfig kriechend oder bettelnd. das sind neue töne! und neue geschichtliche sichtweisen stecken dahinter. nicht zählt mehr gottes gnadentum zur parasitären lebensweise der oberschicht, sondern funktionen inne haben und dem gemeinwohl dienen als griff in die zukunft aufgeklärterer verhältnisse. das ist echte weisheit und sicherlich eine resonanz zu seinem jugendlichen non-konformismus, domestiziert nun in ämtern und teuren standeskleidern und noch in verklausulierten worten. das ist ein spannender Goethe, der alte!

der kumulierte Goethe lässt
der feder zwischentöne zu
im bildhaften denken seiner
zeit diktiert er die novelle:
aus zwei mach eins und weis
auf keins der üblichkeiten

der tote tiger sprengt das
dreieck der novelle mit
einem fingerzeig der edlen
fürstin weist sie aus dem
dreieck dem Honorio die
neue welt / hienieden ist
kein staat zu machen

der löwe aus dem wappen
schnurrt pro domo vom
hinke splint befreit von des
knaben hand souverän lässt
unterschicht hier grüßen
und flötentöne sind ihm
wohl bekannt: signal zum
aufbruch in die neue zeit
da fürsten manager sein
müssen und arge brände
löschen statt zu zünden

harmonie ist ein kitsch der auf
ewig unwissenden die sich
fantasierend aus geschichte
mythenreich bedienen / ja -
die weisheit des alten aber
ist säure auf die gewissheiten
gepolsterter stühle: der leu
steckt nun im wappen fest –
achte auf den schleichenden
tiger

© 14.04.2014 brmu

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geschätzter Schätzing

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© 2014 foto brmu: alles parat für die show

wer am 19. märz 2014 ab 19:30 uhr in den Balloni-Hallen in Köln eine lesung bekannten stils erwartet hatte, wurde schnell eines anderen belehrt: das licht verging und Frank Schätzing kam, auf die bühne, erleuchtet: sein gesicht im licht des tablet-rechners, von dem er passagen aus seinem neuen buch las. immerhin, der star las streckenweise, aber kein buch weit und breit, nur am schluss im vorraum zwecks ankauf und signum.

die choreografie war professionell einstudiert, alles klappte auf und an der runden bühne lückenlos und beeindruckend. zur lesenden stimme des autors – immer noch im völligen dunkel - gesellte sich die passende geräuschkulisse des eben zitierten plots, dialoge aus dem hörbuch, verkehrslärm, knatternder fluglärm, stadtambiente. hatte man früher die hörermühe, sich aus dem gelesenen text selbst im kopf ein bild zu formen, war nun alles sofort im angebot: der lesend abgerufene geräuschfilm ohne störende lichtspiele, eben im dunkel, etwa dreiviertelstunde lang das gespenstisch beleuchtete gesicht.

aber das licht kam wieder und blendete manchmal, wollte man den meister direkt anschauen, der nun plaudernd in die runde wandelte, charmant informierend, das publikum mit einer vertrackten sache bekannt machend: der nahe osten. ein fass mit brodelndem inhalt und tausende jahre tiefem boden. und seine botschaft war klar: die einfachen menschen leben zusammen im geben und nehmen, die geifernden eiferer aller seiten reißen ein, was pragmatismus und koexistenz aufbauen wollen. und alle berufen sich auf einen gott und beanspruchen den tempelberg als uniques heiligtum. (bei dieser geschichte fiel mir spontan ein, dass die buddhisten damals viel schlauer waren als die vertreter der drei buchreligionen. denn als Buddha starb, wurde seine leiche verbrannt und die asche in mehreren urnen unter den anspruchstellenden verteilt. jede partei hatte so „ihr“ heiligtum! kriege blieben da überflüssig.)

Ofrin IMG 0010a
© 2014 foto brmu: Ofrin und Schätzing in blaulicht watend

nach den zwischenerläuterungen des meisters, trat die sängerin Ofri Brin, genannt Ofrin, auf. ein wahres feuerwerk an bühnenpräsenz. ihr haupt umlodert von gewellten, rothäutigen haarschlagen, ihre stimme aus archaischer tiefe, gehüllt in pures weiß. was sie sang war im wortlaut verborgen, aber der körperliche ausdruck sprach von dem ewigen wechsel zwischen liebe und hass, zwischen trauen und misstrauen. drei dieser auftritte in wechselndem licht haben den abend passgenau bereichert und das erstaunen über eine buchlose lesung kompensiert. Ofrin war dem meister ebenbürtig.

die show klang aus wie sie begonnen hatte, als eine lesung vom tablet in rasantem plot vom verstecken und verfolgen. er bietet alles auf, was spannend ist. wer das ende kennen will, möge das buch, eine mischung aus historischer betrachtung und thriller, selber lesen. ich bin Frank Schätzing dankbar, dass er sich an das heiße und sofort alle emotionen hochpeitschende thema „nah ost“ herangewagt hat. kaum vorstellbar, dass eine andere literaturform dazu geeignet gewesen wäre, ein breites publikum für dieses jahrtausende alte knäuel von religiösem wahn mit tod und verderben im gepäck zu interessieren. Günter Grass war das mit seinem gedicht "Was gesagt werden muss" als kürzeste textform letztens schlecht bekommen.

möge „Breaking News“ aus dem Kiepenheuer&Witsch verlag (2014) von Frank Schätzing dazu beitragen, der leserschaft kurzweil zu bereiten, den weltbürgern die augen zu öffnen, dass friedliche koexistenz auch ein resultat der evolution ist – man muss lediglich den brei der götterei vom feuer nehmen.

© 20.03.2014 brmu

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natürlich wachsen

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© foto 17.01.2014 brmu / J. Streich, Dr. M. Griefahn (v.l.)

das Königsdorfer Literaturforum macht von sich reden: es wird nun zehn jahre alt. zu diesem anlass hat sein mentor von der stunde null an, Jürgen Streich, frau Dr. Monika Griefahn, eine zeitweilige wegbegleiterin, eingeladen, aus ihrer dissertation vorzutragen.

frau Dr. Griefahn ist aktuell leiterin der >Monika Griefahn Institut Medien, Umwelt, Kultur GmbH< in Buchholz. in dieser eigenschaft und vor dem hintergrund eines langjährigen engagements in sachen umwelt, zb. als mitbegründerin von Greepeace Deutschland, als Umweltministerin in Niedersachsen a. D. und als MdB-SPD 1998-2009, hat sie zentrale gedanken aus ihrer dissertation (Edda Rydzy und Monika Griefahn, Natürlich wachsen – Erkundungen über Mensch, Natur und Wachstum aus kulturpolitischem Anlass, Springer VS 2014) vorgetragen.

es sei zur bewältigung der allseits begangenen und noch im gange seienden umweltsünden vor dem hintergrund des wissens aus natürlichen, sprich evolutionären vorgängen, unbedingt ein paradigmawechsel erforderlich. der muss heißen: natürliches wachstum, auch als schlagwort benannt als cradle to cradle (ctc), insofern ist der titel der vorgelegten dissertation zweideutig. nicht gemeint ist: „natürlich wachsen“ im sinne weiter so wie bisher, was sonst, sondern im einklang mit den von der natur, resp. evolution, vorgelegten/vorgelebten prinzipien der wiederverwertung. diese zur langverfügbarkeit von ressourcen und zur vermeidung von verseuchung aller arten, ob boden, luft, wasser oder nahrung.

dieser könne nicht vordergründig von der politik verordnet werden, er müsse als umwertung gesellschaftlichen handelns von den einzelnen bürger/innen gewollt und dauerhaft mitgetragen werden. dazu sei es nötig, eine sozio-kulturelle evolution in gang zu setzen. die stütze seien die jungen menschen im schulprozess, der ein ästhetisch-kulturelles angebot präsentieren müsse. es sei erwiesen, dass menschen, die beispielsweise ein musikinstrument spielten, die welt und ihre probleme differenzierter sähen und sich verantwortungsbewusster verhalten würden. zum abschluss der interessanten gedankengänge zitierte frau Dr. Griefahn Bertolt Brecht aus ’Die Geschichten von Herrn Keuner’: „Ich würde gern mitunter aus dem Haus tretend ein paar Bäume sehen.“

die anschließend von Jürgen Streich geführte diskussion zwischen frau Dr. Griefahn und dem publikum war teilweise skeptisch bis kontrovers, also die richtige mischung für eine lebhafte auseinandersetzung mit den vorgetragenen inhalten. es sei eine frage des käuferverhaltens und preisbewusstseins, ob sich innovative ansätze zu einer zyklischen wirtschaft durchsetzen können. es sei eine frage des marktes, ob solche dann teureren produkte nicht für die arbeitsplätze der leute, die ja auch käufer seien, und die prosperität der unternehmen nachteilig ausschlagen würden. es sei eine frage der betonkopfmentalität in den entscheidungsetagen vieler vor allem großer unternehmen, innovative ansätze zu produkten reifen zu lassen. es sei eine frage des unternehmerischen belohnungssystems, wie manager/innen entscheiden. es gäbe aber verbündete sogar in der branche der consulter, die EVOCO GmbH sei so ein unternehmen, dass sich zum ziele gesetzt habe, ein management zu propagieren, das sich auf den prinzipien der evolution stüzt und ein zyklisches, nachhaltiges wirtschaften erlaube bei hinreichender profitabilität. es tut sich etwas in den köpfen: Darwin meets business.

frau Dr. Griefahn ließ sich nicht beirren, konterte sachkundig und referiert, dass diese sicherlich richtigen, nachteiligen aspekte durch einen paradigmawechsel überwunden werden müssten. meint also einen marsch durch die generationen mit gezielter umorientierung mittels einer ästhetisch-kulturellen erziehung speziell junger leute auf der basis gesellschaftlichen konsenses. etablierte strukturen und eine etablierte denke lassen sich bekanntermaßen nicht einfach ins gegenteil verkehren. hierin konnten alle vorbehaltlos einstimmen, so dass der abend mit der beeindruckenden tastenkunst des bekannten pianisten Alphonse Sauer wieder fulminant ausklingen konnte.

mögen uns die Brecht’schen bäume noch lange gegeben sein, den alten bäumen aus dem Hambacher Forst ist es nicht gegeben – auch ein massives versagen menschlichen handelns. nachdenklich geht man nach hause und fragt sich, ob wir nicht fakten schaffen, die unseren enkeln und urenkeln das leben versauern oder gar versauen werden. brmu

natürliches wachstum

1 frau Dr. Griefahn propagiert
den wechsel vom paradigma
dass menschheit nicht mehr giert
und ablegt übles stigma

2 wachstum um geldes preis
ist nicht die edlere krönung
wachstum im klugen kreis
ist die natürliche lösung

3 das den jungen eingeimpft
denn die haben potenzial
viele alte sind beschimpft
denn denen scheint's egal

4 der reife mensch im ganzen
sei eine persönlichkeit
paradigmawechsel im ranzen
für die ganze menschenheit

© 17.01.2014 brmu

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Köhlmeiers idylle

Köhlmeier Brühl-Lesung-131114-bu

© 14.11.2013 foto brmu / Michael Köhlmeier liest in der Buchhandlung Brockmann in Brühl

eine idylle mit hund
der nicht ertrinkt
gibt uns allen kund
wo das leben hinkt

hakt der tod sich unter
lässt dich einfach fallen
dann ginge man unter
als einer von allen

nur schreibend gelingt
der befreiungsschlag
die trauer um das kind
die kommt an den tag

und schon ist der autor
gänzlich überflüssig
denn das werk geht vor
für den leser schlüssig

der findet viel resonanz
oder auch gar nichts gut
jenen hilft es ganz
andern fehlt der mut

kommt auf situationen an
darin leser sich finden
so kann literatur
sein publikum binden

© 15.11.2013 brmu

bericht: Michael Köhlmeier setzte sich und begann ganz unprätentiös zu erzählen und zu lesen, das in der voll besetzten buchhandlung Brockmann in Brühl. auf dem tisch lag seine novelle „Idylle mit ertrinkendem Hund“*, der gar nicht ertrinkt. im gegenteil, er rettet den autor aus tiefster verletztung durch den verlust der tochter Paula.

hier schneidet das wahre leben in die literatur ein: Köhlmeier betont ausdrücklich, dass es nicht darum gehe, den tod seiner tochter „zu vermarkten“ (eine grauenhafte vorstellung), sondern er als schriftsteller von kindesbeinen an und seine frau, Monika Helfer, ebenfalls schriftstellerin, sie beide vermochten den tod ihres kindes Paula Köhlmeier, die ebenfalls angehende schriftstellerin war, nur auf dem literarischen wege zu bewältigen. die trauerarbeit über das schreiben. die frage aus dem publikum, ob er damit seiner tochter „ein verlängertes leben schenken“ wolle, verneint Köhlmeier aber entschieden, es wäre eben seine art, die verletzung zu verarbeiten, ein weiterleben im buch wäre nicht das leben seiner tochter.

die lesung war getragen von einer sonoren, leicht erkältet klingenden stimme, die die kunst der pausen kannte. auch merkte man an einigen stellen, dass da ein vater las, denn in den pausen lag tiefe emotion, die das publikum durch zurückhaltung und auch mitfühlende sympathie würdigte. zumal offenbar auch eltern anwesend waren, die ähnliche schicksale zu beklagen hatten.

da passte es gut, dass Köhlmeier gegen ende der veranstaltung einen wunsch erfüllte: ich bat ihn, das nachstehende gedicht „Gedanke und Gedächtnis“ aus seinem ersten gedichtband „Der Liebhaber bald nach dem Frühstück“** zu lesen, dass mir die situation aufzunehmen schien, was er gerne bestätigte.

Köhlmeier Gedicht-131114-bu

obwohl wir übereinstimmten, dass ein literarisches werk eine eigene, von den autor/inn/en unabhängige wirkung erzielen solle, war es dennoch gut und wichtig, diesen feinen mann aus dem Vorarlbeg kennen gelernt zu haben. beim signieren des gedichtes verriet er mir in kurzem plausch, dass bei Michael Krüger ein weiteres lyrik-manuskript liege, denn gedichte habe er immer nebenbei geschrieben, er sei aber viel zu zurückhaltend, diese einfach so zu veröffentlichen. möge Michael Köhlmeier seine scheu überwinden und uns auch als lyriker noch oft beeindrucken.

mehr verrät der artikel von Ruth Lütz-Bedorf im Kölner Stadt-Anzeiger/Brühl vom 15.11.2013.

© brm ulbrich / 15.11.2013
  * Michael Köhlmeier, Idylle mit ertrinkendem Hund, Deuticke Verlag 2008
** Michael Köhlmeier, Der Liebhaber bald nach dem Frühstück - Gedichte, Edition Lyrik Kabinett bei Hanser, Bd. 25, Hanser Verlag 2012

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willensfrei-eiei

 Willensfrei OstenSinger-IMG 8156a-131025-bu
© foto 25.10.2013 brmu: Manfred Osten und Wolf Singer im Gespräch

auf einer podiumsdiskussion im festsaal des stadtschlosses Weimar am 25.10.2013, veranstaltet von der Klassik Stiftung Weimar, wird der neurophysiologe Singer von dem autor Osten mit Goethe-zitaten bombadiert und dann zur stellungnahme animiert. diese diskussion ist bereits mehrfach an anderer stelle geführt worden und auch als cd unter selbem titel erhältlich.

von Osten kamen flinke zitate
aus Goethes tiefem werk
gefolgt von einer frag' zum rate
wie man sich das wohl erklärt
in bezug auf die heutige zeit

schon war gast Singer bereit
neuro und bio und logisch
zu liefern in weitem worte
willensfreiheit sei ein wisch
den man so verstehen sollte:

es habe so kommen müssen
und weiter wisse man nicht

da könnten viele musen küssen
freier wille sei ohne gewicht
die welt ein komplexes gebilde

gastgeber Osten im gefilde
erklärt Goethe zum visionär
der in seinen werken zeigte
was uns heute noch originär
das schauende uns aber leite

© 04.11.2013 brmu
zitat von W. Singer während der diskussion um das problem der willensfreiheit, die nach neurophysiologischer sicht fraglich ist, da jeglicher bewussten denke neuronale vorgänge im hirn vorauseilen; man lese dazu: Wolf Singer, Ein neues Menschenbild?, Suhrkamp TBW 1596, 2003, seite 24 ff: Das Ende des freien Willens?

 

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HJO im kapellsche

HaJO

Abtei Brauweiler. 12.10.2013. 20:15 uhr. was pfaffen selten schaffen: die kapelle war brechend voll, denn Hanns-Josef Ortheil plauderte und las für ein stündchen aus seinem neuen buch „Das Kind, das nicht fragte“ aus dem Luchterhand Verlag 2012.

durch den erfreulichen zustrom lesehungriger sah sich der ausrichtende verein „Freundeskreis Abtei Brauweiler e.V.“ gezwungen, die lesung in die angrenzende kapelle zu verlegen. Dort war es arg kalt und der hall störte anfangs sehr. aber HaJOs stimme wärmte uns und sie durchbrach die widrige akustik, ein menschenfreund durch und durch, was besonders die szene im beichtstuhl belegt, in der der protagonist als achtjähriges kind seine blockade, fragen zu stellen, aufbricht.

nach längerem schweigen fordert ihn der priester auf, von sich zu erzählen. darauf er: „Wenn ich von mir erzählen soll, brauche ich einen Stuhl, im Knien kann ich nicht gut erzählen.“ (seite 116) das ist der durchbruch, Benjamin hat sich selbst befreit, wo andere sich durch brimorium bis ins alter fesseln lassen. dem freundeskreis der abtei sei dank für dies erlebnis.

er schreibt piano
und spielt es auch
leis=tonale sätze im
duft der atmosphäre
bringen uns die
leute nah wie du
und ich in resonanz
und der schalk im
nacken bringt die
befreiung: hier im
beichtstuhl durch
fragen selber denken
und antwort finden
wozu dann noch
brimborium der
katalysator steckt
in uns wo sonst

© 13.10.2013 brmu
die ortheilschen monologe auf der homepage des Literaturhauses Stuttgart zum thema "buch" sind plaudereien aus dem zentrum des litaraturbetriebs. unbedingt hörens- und sehenswert, viel vergnügen!

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total-op

Totaloperation einer Landschaft, so war das Königsdorfer Literaturforum vom 11.7.2013 betitelt. es kamen unter anderen drei autoren der region zu worte, die, zum thema passend, aus ihren werken vorlasen.

KL Löffler-lesung130710-bu

Kay Löffler las passagen aus seinem werk „Dorf der Wolkenmacher“, Engelsdorfer Verlag 2007, und ließ das zahlreiche publikum die emotionale anspannung von betroffenen der umsiedlung durch den tagebau spüren. die sprengung eines kirchturms als brutales zeichen der befremdlichen entwurzelung.

KL Mödder-lesung-130710-bu

Gynter Mödder trug aus "Knollen, Kohle und Miljöh", herausgegeben von Axel Kutsch und Jochen Arlt, erschienen im Rhein-Eifel-Mosel-Verlag 1990, zunächst humorvollen text vor über ein bislang unbekanntes tier, die tagigall, der sich im verlaufe der lesung in bittere ironie wendete: die endemische tagigall als nieschenbewohnerin der kunstlandschaft der tagebaukippen, genannt Glessener Alpen, erscheint natürlich schützenswert und damit sein habitat. er konnte sogar eine zeichnung dieser extrem scheuen und bedrohten art vorweisen, die Renate Mödder-Reese durch lange feldstudien anfertigte.

KL Rumler-lesung-130710-bu

Andreas Rumler wagte sich an dem prosaisch dominierten abend an die lyrik und zitierte weite passagen seiner „Erftland-Splitter“, edition fundamental 2007, ein kaleidoskop von gedanken zu den vorgängen um und an den tagebauen. Unwiderrufliche veränderungen von landschaft, kulturellen werten und persönlichen verwurzelungen.

Jürgen Streich moderierte den abend, der wieder künstlerisch gerahmt wurde von Alphonse Sauer als professionellen pianisten.

in der diskussion waren die positionen pro und kontra tagebau vertreten, was den gedankenaustausch beflügelt hat. letzlich ist wichtig festzustellen, dass die legalen grundlagen dieser landschafts-op existieren, dass es aber auch legitim ist, diese immer wieder zu hinterfragen, und in neue, wissenschafltich fundierte zusammenhänge zu bringen, wie etwa neu erkannte gesundheitsrisiken der betroffenen, wirtschaftliche risiken der auswirkungen für die gesellschaft und globale auswirkungen für "das lebewesen erde" (J. Streich). dazu gehören auch die spektakulären aktionen der besetzer des Hambacher Forstes als ein mittel zivilen ungehorsams gegenüber den verkrustungen des politischen apparates, man denke an lobbyistischen filz und filzigen lobbyismus. eine anregende diskussion in durchaus verträglicher atmosphäre.

man fragt sich, warum keine presse zugegen war und stolpert über den gedanken, das behandelte thema passe nicht in die lokale zeitungswelt. ein schuft, der dieses dächte!

© 12.07.2013 brmu

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über weite entfernung

lesung in der weinstube Bohn in Bergheim am 5.7.2011.

 Bohn Weinstube

© foto: b.r.m. ulbrich
M.M. Bohn rezitiert „Über weite Entfernung“

am Aachener Tor in Bergheim angekommen, die Hauptstraße schon ziemlich menschenleer, steigt man am Roten Haus nr. 99 ein paar stufen hinauf und betritt rechts einen kleinen raum, der liebevoll mit gedichten auf blauem grund in petersburger hängung ausgestattet ist. wenige tische für rund zwanzig gäste stellen gleich eine besondere atmosphäre her.

dann die überraschung: jeder darf sich ein gedicht aus der lyrik-galerie wünschen und sein eigen nennen. eine große geste des gastgebers, seines zeichens auch ein mann der lyrik, der es versteht, die gäste in seiner weinstube immer wieder mit neuen lyrischen eindrücken zu erfreuen.

nach guten weinen aus deutschen landen und einem tapas-bufett steigt die spannung bis der eindrucksvolle Manfred Michael Bohn mit seinem sonoren bassbariton den raum ausfüllt: jedes gewünschte gedicht wird ausdrucksvoll vorgelesen, so dass es sicherlich noch länger in erinnerung bleibt. das von mir ausgewählte wird hier mit seiner erlaubnis veröffentlicht:

Über weite Entfernung

Über weite Entfernung, welch herrliche Kraft.
Innige Umarmung, Harmonie geschafft.
Sprudelnde Lüfte,
Spürbare Düfte.
Wehmut an Deiner Seite,
Über endlose Weite.
Der Tag kommt – riesengroß,
Komm, wir lassen uns nicht los!

© Manfred Michael Bohn /Juni 2013

weitere gedichte und wortspiele: in dem lyrikband „Liebe & Schmerz“, Verlag M. M. Bohn-Kommunikation 2011, 103 seiten, mit sechs treffenden illustrationen von Roman Pompe; das buch nebst CD kann in der weinstube erworben werden.

© 06.07.2013 brmu

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autoren slam

die Buchhandlung Moewes in Bergheim machte von sich reden. sie lud zu einem neuartigen autoren-slam ein: 24. Mai 2013 ab 20 Uhr. Sieben autor/innen hatten zehn minuten zeit, aus ihren werken zu lesen. litbiss war auch dabei!

Autoren-Slam bu-130524-bs

Bild: B. Schulz | Förderverein Stadtbiblio BM

der stärkste applaus sollte die/den gewinner/in küren. gewinn: ein gespräch im Piper Verlag. alle waren so gut, die schallmessungen so dicht beieinander, dass sich herr Moewes spontan entschloss, allen autor/innen eine chance zu einem gespräch vermitteln zu wollen. das war die beste entscheidung des gelungenen abends. allen, leserinnen und lesern, hörerinnen wie hörern, fiel dankbar ein stein vom herzen. was daraus wird?

litbiss kann berichten: die buchhandlung Moewes in persona herr Moewes will den autoren slam wegen der guten resonanz weiterführen. das ist eine gute nachricht für autoren/innen und leser/innen.

das ereignis ist in einer bildergalerie des FSB zu betrachten, klicken sie hier.

ohne euch, liebe familie, freundinnen und freunde und litbiss-fans, wäre es nicht so aufregend ausgegangen. für euren starken beifall bedanke ich mich herzlich mit diesem vierzeiler:

dichten in vollen zügen
ist reichlich übertrieben
in vollen zügen dichten
ist höher zu gewichten

© 25.05.2013 brmu

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Cologne Paper Art

papier ist geduldig. die Cologne Paper Art zeigt wieder papierkunst in der Vulkan-Halle in Köln. fast alle dort ausgestellten künstler/innen bearbeiteten das papier auf der oberfläche oder formten es bis hin zum scherenschnitt. Interessant, aber nicht aufregend.

JB Libellenbild-130422-bu

Jutta Barth auf der Cologne Paper Art, am 21.4.2013 auf eines ihrer werke zeigend

ganz anders in der box 32: dort gab es papierkunst der besonderen art zu sehen. bei Jutta Barth nimmt das papier ästhetisch angeordnetes pflanzenmaterial in sich auf. durch verrrottung skelettierte pflanzenteile, wie etwa blätter, werden in den sensiblen schöpfungsprozess des papieres (pulpe) einbezogen. Jutta Barth zeigt diese rare als pulppainting bezeichnete technik in wahrer meisterschaft. eine zarte akzentuierung mit tusche oder farben arbeitet den effekt des eingebetteten abschließend heraus. ihre so biologisch daherkommenden bilder regen gleich zu gedichten an. hier ein spontan verfasster haiku:

die bilder sprechen
von innen und von außen
meinen garten an

© 21.04.2013 brmu

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Vlaminck liest

eingeladen vom Autorenkreis Rhein-Erft (ARE), unterstützt vom neuen Förderverein Stadtbibliothek Bergheim (FSB), gab Dennis Vlaminck im Mauseum in Bergheim-Glessen am 13.4.2013 eine lesung aus seinem neuen krimi „Domfeuer“. Vlaminck ist von beruf journalist, seine brötchen verdient er sich beim Kölner Stadt-Anzeiger. wer das spannende werk liest, der lernt viel über das mittelalterliche Köln und die schlitzohrigkeit dessen bürgerschaft.

Lesung Mauseum-130413-bu

© foto brmu, von r. n. l.: D. Valminck, Prof. Dr. med. G. Mödder (Vorsitz ARE), Dr. R. Hahn (Vorsitz FSB)

in der fragerunde gab Vlaminck einblicke in sein doppelleben. tags über journalist, schreibe er des nachts in stiller zurückgezogenheit, wenn frau und kinder, hunde, katzen, pferde ruhe geben. dies brauche er zur konzentration über mehrere stunden. dann falle ihm für den plot seiner krimis genügend ein, wobei auch episoden aus dem eigenen leben verarbeitet würden, wie etwa die szene mit dem zahnbrecher. dabei müsse er schon durchaus aufpassen, journalistisches und literarisches schreiben nicht zu vermengen.

zum schluss verriet er noch, an einem anschluss-krimi zu arbeiten, der etwas mit einem nicht austrocknenden teich und seiner heimatstadt bedburg zu tun habe. möge dieser krimi genau so spannend, unterhaltsam und nebenbei lehrrreich sein wie „Domfeuer“.

© 13.04.2013 brmu

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welterswelt

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Ruth Welter liest,

eingeladen vom Förderverein Stadtbibliothek Bergheim, in der Stadtbibliothek im Medio der Stadt Bergheim aus ihrem buch DAS KINDERMÄDCHEN UND DER HERR JESUS (2012) zur erbauung und erheiterung der drei dutzend zuhörer/inne/n. es geht um die kleinen und feinen geschichten rund um Brühl, die ihre verwandten und bekannten erlebt haben. so manche weckte eigene erinnerungen und ließ das gemüt in resonanz mitschwingen.

rund um die vom förderverein liebevoll aus- und angerichteten erfrischungen konnte in einer pause angeregt über das werk geplaudert werden. danach übernahme Ruth Welter wieder das ruder und las im zweiten teil weitere geschichten vor, wobei das publikum wählen konnte, eine kluge einbeziehung, die nähe schafft.

wir waren zeugen eines einfühlsamen erinnerungswerkes, das über Brühl hinaus ins ganze Rheinland ausstrahlt und auch dort seine leser/innen finden sollte. offizielle bezugsquelle: buchhandlung Brockmann in Brühl, es liegt auch in der buchhandlung Moewes in Bergheim aus.

© 02.03.2013 brmu

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mohr malt nicht

Burkhard Mohr (Bonner Cartoonist) war in der Christus Kirche zu gast im Königsdorfer Literaturforum, moderiert von Jürgen Streich und am klavier musikalisch gerahmt von Alphonse Sauer. Mohr hat uns in seine besondere zauberwelt des begnadeten zeichnens einblick nehmen lassen.

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Goethe ruft an

John von Düffel schreibt in seinem roman "Goethe ruft an" aus dem DuMont Verlag, erschienen 2011, gleich zu beginn auf seite 7 über eine figur namens Goethe als eine art über-ich aller schriftsteller:

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b.k. liest uns vor

lesung von Bodo Kirchhoff aus seinem roman "Die Liebe in groben Zügen, Frankfurter Verlagsanstalt 2012, im Literaturhaus Köln am 1.10.2012 anlässlich seines 25. hochzeitstages in anwesenheit seiner frau und seines sohnes.

foto mit erlaubnis des Literaturhauses Köln (LHK) abgebildet.

Kirchhoff Lesung-LHK-121001-bu

b.k. liest im LHK: er drängt und dräut in
die siebte fassung mit fassung braucht
sicherlich keine sechsundzwanzig stunden
für die sechsechsneun seiten der liebe in
groben zügen zug um zug geht es voran

die einfältige frage des abends: wieviel
auto bio graf iie steckt versteckt denn im
roman ein hin und her mit allerlei gedöns
und färbung zwischen den vielen zeilen da

findet dr.u. die kluge antwort in der rede:
ohne leben des autors kein roman in dem
das leben des autors vorkommen könnte!

lebenserfahrung aus verlegermund
tut dem moderator manches kund

und höre: der abend ward gerettet

© 6.10.2012 brm ulbrich

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