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Brodsky's januargefühl

die kings bar deiner alt-adresse,
kein stern scheint auf zu imponier’n.
das ohr ergibt sich, unter zwang,
des blizzards bohrendem gebrüll.
die schatten fallen hinter dich,
du löscht die kerze, haust dich hin,
kalender kann mehr nächte packen
als dafür kerzen wär’n.

was das soll? schwermut? ja, vielleicht.
’ne melodie, die niemals stoppt.
gut gekannt im rauf und runter.
stets gleiche dudelei
vom kommenden, in dunkelzeit,
für augen und lippen ganz groß,
weshalb es sie manchmal anhält,
sich dem fernen hinzuwenden.

hochgeblickt ins wolkenlose,
weil deine socke leer ausging,
verstehst bald diesen geiz: er passt
zum alter; bar jeder kränkung.
viel zu spät ist’s für ’ne ahnung,
für wunder, für den weihnachtsman.
plötzlich wirst du dann erkennen, du bist
dir selbst ein wahres geschenk.

© 2015 brmu nachdichtung von "January 1, 1965" aus
Joseph Brodsky, Nativity Poems, Farrar, Straus and Giroux, New York 2001, page 9

© 01.01.2016 brmu

 

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Mittwoch, 18. Oktober 2017

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