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markeG47artikel

aus der historie der Gruppe 47: im Mai 1964 reiste Hans Werner Richter, motor des „freundeskreises G47“, selbstherrlich zu einer anberaumten pressekonferenz, um über eine geplante tagung der G47 (in offizieller mission in Schweden) vorab zu berichten. aus dem freundeskreis wird eine art „diplomatische vertretung“. ein novum in der geschichte der G47 und kristallisationspunkt der beginnenden selbstzerlegung, weil vielen mitgliedern die dinge zu kommerziell und offiziell geworden waren.

Martin Walser bringt es in Die Zeit am 3. Juli 1964 auf den Punkt:“ Wenn ich in eine Universität komme, um dort etwas vorzulesen, und ich sehe auf dem Plakat unter meinem Namen die Zeile >Mitglied der Gruppe 47<, …, dann erschrecke ich ein bißchen, ich ziehe die Luft ein, und siehe: es riecht nach Markenartikel.“

Walser fordert eine öffnung der G47 für alle und eine jury, den andrang zu sichten, damit „jeder Hauch von Klüngelei, Verschwörung, Herrschsucht und so weiter weg“ sei.

über 50 jahre später: >Die Gruppe 48< ist für alle offen, hat eine jury, liest öffentlich und vertritt ausschließlich literarische interessen.

© 04.03.2017 brmu
aus: Helmut Böttiger, Die Gruppe 47, DVA 2012, seite 345ff.

 

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