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Axel Kutsch 70*

ein hallo an Axel Kutsch
seine jugend, die ist futsch
seine liebe aber nicht
dazu, was ein jeder wicht
„diese lyrik“ nennen mag
aber keine ahnung hat
was das nun wirklich sei

lyrik, die ist ein besteck
das tranchieren ist ihr zweck
 - realitätseinschnitte -
bis hin zu kernes mitte
ja! damit erkennbar bleibt
welt, wo immer sie sich reibt
am huhn - und auch am ei

© 16.05.2015 brmu

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on the trip

(denen gewidmet)

die, die über den wassern wandeln
mit federn nach papieren angeln
und aphorismen dabei stammeln

die mit literatur anbandeln
wörter in texte flux verwandeln
zwischen buchdeckeln fest versammeln

um die, sagt man, muss es sich handeln
die mit der welt um wahrheit rangeln
wider alle, die sie verschandeln

© 14.05.2015 brmu

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Giersch schmeck weg

Giersch, du stehst parade
mein rücken wanket krumm
habe erst gerade
zwei quadratmeter um

Giersch lacht sich ins blättchen
ich hab’ die wurzelkraft
spaten, so ein mätzchen
sprieße neu in vollem saft

so hat der Giersch die macht
über gartenländer
da nützt kein wall kein schacht
wuchert an die ränder

drum mach’ das beste drauß
und ernte dir ihn ab
ist blatt für blatt ein schmaus
im wildpflanzensalat

© 05.05.2015 brmu
Giersch (Aegopodium podagraria)

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welttag des buches

ihr leser/innen
was mag da gutes
indrinnen sein

fluchung der logik
witz der hoffnung
unterhaltungswert
wortakrobatik
wahrheitsschonung
vers vom riesenzwerg

es zittern die blätter
im literaturbetrieb
vom gedruckten wort
hoffnung auf schönwetter
dass was übrig blieb
in dem bücherhort

schreibt’ weiter fein
seid frohen mutes
schriftsteller/innen

für verlegers verlegenheit
und des lesers belesenheit

© 23.04.2015 brmu
zum "Welttag des Buches und des Urheberrechts 2015"

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book of nothing

dichten ist wie nichten
von diversen welten
jetzto oder gleich
auf lange sichten
nur das wort
es bleibet stahn
für neuen anfang
schuldlos ohne scham

der gott der lyrik schaut herab:
lass mal lieber, klappt so nicht!

© 12.04.2015 brmu

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selbstbildnis mit ratte

(to whom it may concern)

mann-o-mann, Wondrat
schek’st du’s noch oder
brauchst du das: verehrer1

besser doch lieber leser/
innen am werk, die dich
kritisch hernehmen

verneinst den erziehungs
prozess aus deinen werken

verehrer sind nur gläubige
bewundernd schlucken sie
alles weg, nicht skeptisch
schauen sie auf dich in
alten tagen, brauchst du das?

welch eine feigheit vor kritik
sie gehört zum brot aller tage
das immer geschnitten wird
mit den messern der rezension
du enttäuscht, nicht dein werk

kein messer je geschwungen
ich hätt’ den roman so gerne
gelesen und hingestellt zu
all deinen anderen werken
die mich so lange hatten

ich will es nicht glauben
tät’ ich’s, verbannt’ ich dich
aus meinem bücherregal

© 10.04.2015 brmu
1 zitiert nach W. Wondratschek zu seinem jüngsten, an einen privatmann verkauften und unveröffentlichten roman „Selbstbildnis mit Ratte“ aus: exklusiv-interview im „WDR5 – Scala“ vom 8.4.2015

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sinkflug

wenn du denkst du traust
dann meinst du nur du traust
dann hast du dich getäuscht

wenn du denkst du fliegst
dann meinst du nur du fliegst
dann bist du schon zerschellt

wenn du nicht mehr denkst
dann denkst und meinst du nichts
dann weinen andre drum

wenn wir weiter denk’n
denken wir wir denk’n
dann sind wir arg getäuscht

© 26.03.2015 brmu

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in memoriam

nach drei tagen maloche im
            garten mit schere und
                        säge und auch beil

sitz ich müde auf der banke
            wie die eltern getan
                        ihre welt schien heil

jetzt sind sie unter der erde
            im hölzernen sarge
                        drauf grabstein mit zeil’

schluss mit mühen und plagen im
            leben und im lieben
                        der tod trieb den keil

zwischen sie und uns allhier im
            nachfahrenden leben
                        auf der todesmeil’

die elster weiß von all dem nichts
            beim nestbaugekäcker
                        von summe und teil

© 11.03.2015 brmu

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FAGU

(dem treuen vater post mortem)

von irgendwo kickt dich die welt
in das gesäß und sonst wo hin:
bist plötzlich im neuen programm
dein rufen gilt dem warmen tee

im bette liegst du jetzt zur pflege
verlassen haben dich die kräfte
rollst bewegt von fremden händen
auf dem matratzengrund

einst hast du mich gefüttert
jetzt liegst und schaust und sperrst
den müden, deinen mund mir auf
dass speise ich dir gebe

tränen glänzen in den augen
wollen sich nicht recht erklären:
hast die jungen groß gezogen
willst nun kleiner werden

bis der seele flügel wachsen, die
sehnsuchtsvoll ins weite schlagen
wie der Holgersson entschwand
aus dieser enge, nenn’ sie welt

aus unserer haut nur in den tod
wissend ist keiner, der da betet
den stein aber adelt die liebe
darauf dein name graviert

© 03.03.2015 brmu

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je suis, Charlie,

très, très enragé!

noch am tage der morde
stell dir vor, geht einer,
ein erster von 120, hin
und will nutzen ziehen
er brauche ein branding
für sein neue waffe (sic!)

je suis Charlie® soll sie heißen
kann man heft’ger darauf scheißen
auf ethik und moral?
geld lungert allemal
zu töten, etwas mensch zu sein
mich würgt der schöne schein

und je pense, donc je suis®
in la grande nation®
wohl unterschieden durch
egalité, fraternité, liberté®
vom alten l’état c’est moi®

liebe deinen nächst’n®
sprach der eine gott
sage nie, du rächst’n
wider allen spott

die bürger aber woll’n wir loben
auflage schnellte schön nach oben
sobald der gülden im becken klingt
im huy die seel im himmel springt
®
über des geldes fegefeuer
lässt sich’s hehlig springen teuer

© 16.01.2015 brmu / 749

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Dräsdn

(ACHTUNG: SATIRE!)

du perle tief im sächsischen
welch’ sau treibst du durchs dorf
lang’ schon nichts mehr gehört
vom abendland und seinen christen
zu schules zeiten war’s als die
geschichte ich verschlief

hab’ wicht’geres zu tun als
abendländer flux zu retten
du aber hast’s im kopf
das weiß man jetzt montäglich

allein, die saudurchsdorf
die wühlet gern im sumpf
und matsch und grunzt uns an
sie sei das volk natürlich und
stampfet auf im dreck

einmal in der geschichte
dieses uns’ren landes
als seine teile wuchsen
quasiheil retour ins abendland
da war der montag wichtig

davor aber warst du mehr
der tundra zugeneigt
was man noch heute
merken kann an deinem
notruf: Punti rette uns
vom übel allen andersseins

real seid ihr nullkommadrei
promille von dem ganzen
ein fliegenschiss ins land
ihr kuschelt gern und reichlich
im volksverein und gebet
euch die kante, wo noch heil
der krug und auch das glas
mit dunkelbraunen schnapps
ideen drin nicht müde wird
so hin und her zu schwappen

eines habt ihr unterschätzt
die Peggis und die Idas all’
und millionen and’re mehr
die sind jetzt mächtig sauer
denn ihren guten namen
geben sie nicht her dafür

der ganze große rest
das ist das wahre volk
im konsens dieser tage

© 14.01.2015 brmu / 746

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je suis Charlie

geist kann sich verdünnen
worte des anfangs verhallen
was gemeint war kann nur
erraten werden im ständigen
diskurs: texte und bilder
interpretieren die welt

auf galeeren der frustration
darin gewandete geiferer
verfälschend das erbe zu
peitschenden kugeln aus
eiferers mündungsfeuer ihm
geilt der gekrümmte finger

tod kann man nicht sähen
ihm geht nichts mehr auf
nur samen bringen früchte
manchmal die falschen
doch ironie und der spott
helfen zu unterscheiden

macht bitte weiter jetzt!
offline und online
weiter! in bild und text
geht nicht auf den leim

© 09.01.2015 brmu / 745
s. auch kommentar nr. 523 auf zeit-online.de und den sehr lesenswerten artikel von Markus Schwering im KSTA vom 9.1.2015, der uns spiegelt, dass es zeiten gab, während derer sich die deutschen mit satire und satirikern wie Kurt Tucholsky auch schwer taten. satire beißt ins fleisch der macht bis auf die dürren knochen, das tut den mächtigen und ihren vasallen weh!

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neujahrs(er)kenntnis

in dem neuen jahr
bleibt alles beim alten
oder auch nicht

es mehr’n sich fürwahr
ganz sicher die falten
in dem gesicht

am end’, scheinbar klar
wir gar nichts einhalten
ist nur gerücht

© 30.12.2014 brmu

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wnf

weihnachtsvöllerei im
schenken und im schmausen
magendarmtraktrevolte

rund um geöffnete ladenzeiten
zwei tage tanz auf dem throne
virus, virus, wo kommst du her1“

weihnachtsböllerei als
vorgezogenes sylvester im
liegen und sich krümmen

die engelin aber kommt mit
kartoffelbrei und cola und
hat ein erbarmen denn:

männer leiden länger

© 28.12.2014 brmu
1 die zeile singen nach: Hoffmann von Fallerslebens (1798-1874) lied: „Kuckuck, Kuckuck, ruft’s aus dem Wald“

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weihe nachts, mann!

sie streiten sich aus
gerechnet über den
periodischen wnm
aus welchem kalten
land er käme durch
den warmen kamin

verdreckt den sack
abstellt in das trübe
aller erwartungen

das design seines
bartes hat längst ein
werbefuzzy trendy
geklärt: so rot-weiß
muss alles sein als
schnee und blut der
zeit im prallen sack
von konsens der uns
retten soll aus aller
depression, aus aller
reflexion über diese
absurden verhältnisse

und leise rieselt der
schnee von gestern

© 22.12.2014 brmu

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Friederike Mayröcker 90

(der ausdauernden gewidmet)

Frie dlich feiern wir
  de inen geburtstag so
   ri  chtig ohne tamtam
  ke  ine ist wie das flüszchen
            unter der erde mit
            dieser schreib
            besessen
            heit

© 19.12.2014 brmu
schaut nach: F. Mayröcker, Veritas, Reclam 1993, seiten 8 und 149

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lebenslust

das leben ist bald lustig
kann aber sein auch frustig

wenn‘s mal gerad’ nicht läuft
wenn ärger sich anhäuft

und alle nur noch nerven
dann möchte man ‘was werfen …

stattdessen tut man fluchen
so eine sünde buchen

wie man’s dreht und wendet
du brauchst den trost gespendet

© 19.12.2014 brmu

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Mila2

(für M.H. in K. zum 2.)

sabberlot und eiderdei
Milachen ist jetzte zwei

sagt auch schon: nein
kann das auch schrein

sie schaut wie keck
so süß perfekt
das kinderlachen

so ist das elternleben
sie werden älter eben

und wollen dies und das
uns allen macht das spaß

© 18.12.2014 brmu

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in den jahren

(G.S. in A. zum 65., oh 66.)

kommst du in die jahre
fallen aus dir haare
zittert noch die hand
streu dir keinen sand
in die schwachen augen

von des lebens trauben
hascht du nicht mehr viele
ergo: lies, was je gedruckt
solange der vorrat aus deiner bibliothek, in langen jahren gereift, reicht und du noch bei wachem verstande und hinreichendem augenlicht am tage und in der nacht in der lage bist, die umfängliche lektüre deines unstillbaren interesses
neugierig und zügig umzublättern
lass die andern ruhig meckern

© 18.12.2014 brmu

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ich nich

das ich
red’ sich frei:
selbstmeinungsbildung

das ich
schwimmt sich frei:
selbst handeln oder lassen

das ich
sagt sich los:
selbstverwirklichung

aus der masse
schoß und brei
zum individuum

das aber klebt
am trend echt krass
mit mode und klimbim

dergestalt
entkommst der masse
nicht

© 17.12.2014 brmu

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wahr.high.ten

sie schreiben gedichte
die man nur lesen kann
und füllen die leere mit
wahrheitsgeschnauf.

schrieben sie gedichte
die man gut leben kann
dann fühlten wir leere ohn’
wahrheitsklimbim.

aber leeres lehre
die erschreckt bis ins mark
lieber schwadronieren von
gott und der welt.

© 14.12.2014 brmu / 729
angeregt durch die lektüre von Peter Sloterdijk, Selbstversuch, Hanser 1996

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Hambacher F.o.st

wohin mit diesem „r“
aus revolte vom Camus
für rebellion im denken
mit revision der sichten?

den forst durft’ ich noch erleben
gebrochen jetzt für die hölle
der kraftwerksbrenner

den frost wird es weniger geben
eher steigende wässer an
anderen küsten schon jetzt

die das feuer löschen
umwärmter dummheit

ist doch nur ein baum
sagst du und tausend and’re auch
und plötzlich: wald ist weg!?

nur mit wald
wirst du alt
jedoch ohne
keine schone
frist

© 05.12.2014 brmu

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in the mood

ach, was soll’s
liest doch keiner
was du so schreibst
und wenn’s gelesen wird
weiß doch keiner
was damit anzufangen
und wenn doch, dann
sicherlich das falsche
und wenn das nicht
dann fehlt die resonanz
ist die aber da
dann wird’s dir heiß
ums herze
und du zündest leis
die kerze
zum ersten advent
in dichterland

© 01.12.2014 brmu

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ehren, Hein

ha, was nützen schöne ehren, Hein?
helm ab derweil zum stoßgebet
die dort wohnen, niemals kehr’n sie heim
aus ihrer gruft wo nichts mehr lebt
den grund dafür, besser lass den sein
das schicksal trauerkleidung webt
sagt der humanist zum dummen schwein
in dem sich interesse regt
doch das grunzt, geht nicht auf seinen leim
der eigennutz woanders schwebt
legt zum krieg den allerneusten keim
bis von gewalt die erde bebt -
bald für einen neuen ehrenhain

© 17.11.2014 brmu

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schteinwurf

1mal sagte ein dissident
aus derselben gegend:
wer aber ohne fehl sei
werfe den ersten stein
und siehe: 2tausend
jahre wird weiter geworfen
denn je, jetzt 1% davon für
das gefängnis in dem
sie alle sind, die nichts
gelernt: aufseher wie
insassen im hass vereint
und siehe: die steine
aber berührt das nicht
denn raum und zeit sind
nicht menschenmache

© 03.11.2014 brmu

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zwergschade

da hat der zwerg unter tage
sein buch gedengelt, lag’ auf lage
und legt es dem könig nun vor

der schneidet sich an einer seite
das buch sei 'ne einzige pleite
der hofstaat dienert, ist ganz ohr

kein schwein greift zum buche mehr
interesse daran bleibt gähnend leer
der zwerg nun dengelt als thor

liefert diesmal damaszenerlagen
aus vollem purem kunstbehagen
der könig aber rache schwor

sein edles blut war geflossen
das buch hat er nicht genossen
sein inhalt stieß ihm sauer empor

ließ den zwerg in ketten legen
weil zu scharf die seiten eben
der henker den autor erkor

doch legt das beil er auf den tisch
wie, blättert im buche frisch? -
und fromm er den job verlor

der zwerg aber wollte keiner mehr sein
nimmer schreiben für alle die schwein’
ging mit seiner feder ins moor

dort liegt er tausend jahre still
weil das moor es immer so will
in den händen fest das buch vom tor

in eine bessere von allen welten
ohne könig, ließ ihn niemals gelten
der hofstaat aber geistig erfror

© 03.11.2014 brmu

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kk-widmung

kkikk
(dem kk-quartett gewidmet)

die litera
tour durch das geschriebene
im circulus für’s
kellerkind:

kalker kaffee in
kalks kölschem kaff
für literatur und welt
ohne coffee to go
go girls sind auch nicht da
bei sein aber ist alles.

wir sind da!

© 21.10.2014 brmu
anlässlich der lesung am 18.10.2014 im Kalker Kaffee in Köln-Kalk

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Goetheikone

hohe straße gegangen
ohn’ jegliches verlangen
nur zu schauen war mein sinn
trieb so in der menge hin

hinter einem alten her
sein gepäck war sichtbar schwer
stand auf einem rollerbrett
schob es mit sich im duett

reißverschlüsse all defekt
nur mit nadeln zu gezweckt
prall war alles berstevoll
seine habe war nicht doll

dann vorbei mit schnellem schritt
dachte: was ist das ein schitt
dass so menschen würdelos
müssen ziehen klein ob groß

ich derweil bin angelangt
wo das MAKK prangt
für den vortrag um halb acht
der was über Goethe sacht

als eine stilikone*
blau in gelb, das war nicht ohne
ein gewisses marketing
mode an dem Werther hing

und die buchauflage stieg
feierte den breiten sieg
daraus wurde sturm und drang
Goethen wurde etwas bang

rebellion war nicht sein ding
lieber er zum hofe ging
und nahm dorten ämter an
was ihn klassisch sichern kann

kleidung individuell
keinem trend verpflichtet, gell
war Goethe aus dem schneider -
der vortrag hetzte, leider

© 15.11.2013 brmu
* vortrag von frau Dr. Petra Hesse, leiterin des Museums für angewandt Kunst Köln (MAKK) zu dem thema "Modeikone Goethe? - Goethes Verhältnis zur Kleidung und Mode" am 15.11.2013 im MAKK

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Goethe variiert

Es hat der Autor,
wenn er schreibt
so was Gewisses,
das ihn treibt.*

es küsst den autor
wenn er denkt
gewisse muse
ihn beschenkt

es bringt der autor
wenn er tippt
dem publikum, was
ihn berückt

es neigt der autor
wenn er liest
zu dem gewissen
wie du siehst

es fehlt dem autor
wenn es blockt
so was gewisses
was ihn schockt

© 14.11.2013 brmu
*notat von J. W. Goethe vom 28. Aug. 1795 in das Stammbuch von Friedrich Maximilian Moors, aus: Hanna Fischer-Lamberg, Der junge Goethe, Bd. 1 August 1749 - März 1770, Walter de Gruyter Verlag 1999, seite 77

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Goethe wusste es sonett

ich sitze auf meinem kissen
und meditiere recht lang:
wir können so wenig wissen;
macht als ergebnis nicht bang. ...

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notruf 000

O Herr, aus tiefer not an diesem loch
schrei ich aus staub und lärm zu dir

30 tage nur
lass strömen den tagbau-tinnitus
vor allem nachts durch das ohr
die da vorgeben in scheeler art
das wohl des landes im auge zu haben

Herr, du weißt, dass da nur splitter sind …

4 wochen und dies ganz ohne pause
lass dröhnen den tagbau-tinnitus
besonders nachts in deren gehör
die arbeitsplätze geben und nehmen
zum wohle des dreisten mammons

Herr, du weißt, dass da heuschrecken sind …

1 monat nur lass es ewig dauern
lass höhnen den tagbau-tinnitus
in allen ohren rigidester macher
denen die anrainer schnuppe sind
unsere nerven liegen nun blank

Herr, du weißt, dass da nur geschachert wird …

bei all denen, die das ändern könnten
habe erbarmen mit ohr und lung
öffne ihnen kopf und herz
den notruf nimm nicht krumm

© 24.11.2012 brmu

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knete schotter kohle

was hat der bloß da für 'nen trick
dieser hanseatenredner 'brück
dass da so viel geld beifließt
sich millionenschwer ergießt

all über alles ganz legal natürlich!
legitim hingegen meint gebührlich
er nimmt halt was der markt ihm gibt
finde gebückt was auf der straße liegt

© 30.10.2012 brm ulbrich

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armut brennt

das karussel der begehrlichkeiten
beschleunigt unaufhaltsam und
du krallst dich fest und denkst
es wird schon werden wenn du
es bis in die mitte schaffst denn
dort heben sich die kräfte auf
das weiß man doch ganz allgemein
vom schönen schulunterricht

dort im zentrum bist du sicher
arm im geiste reich im tresor
doch wehe denen die da fliegen
in den staub der erde hin die
haben eben nichts gekonnt so
höre ich den kommentar der
unbarmherzigkeit bis alles
schleudert bricht und kracht

dann sehe ich schon alle greinen
und über ihre trümmer weinen:
das hat der gott gemacht
oder auch ein teufel lacht
nur eines kommt nicht vor
der mensch an sich: ein tor

© 24.10.2012 brm ulbrich

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