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Goetheikone

hohe straße gegangen
ohn’ jegliches verlangen
nur zu schauen war mein sinn
trieb so in der menge hin

hinter einem alten her
sein gepäck war sichtbar schwer
stand auf einem rollerbrett
schob es mit sich im duett

reißverschlüsse all defekt
nur mit nadeln zu gezweckt
prall war alles berstevoll
seine habe war nicht doll

dann vorbei mit schnellem schritt
dachte: was ist das ein schitt
dass so menschen würdelos
müssen ziehen klein ob groß

ich derweil bin angelangt
wo das MAKK prangt
für den vortrag um halb acht
der was über Goethe sacht

als eine stilikone*
blau in gelb, das war nicht ohne
ein gewisses marketing
mode an dem Werther hing

und die buchauflage stieg
feierte den breiten sieg
daraus wurde sturm und drang
Goethen wurde etwas bang

rebellion war nicht sein ding
lieber er zum hofe ging
und nahm dorten ämter an
was ihn klassisch sichern kann

kleidung individuell
keinem trend verpflichtet, gell
war Goethe aus dem schneider -
der vortrag hetzte, leider

© 15.11.2013 brmu
* vortrag von frau Dr. Petra Hesse, leiterin des Museums für angewandt Kunst Köln (MAKK) zu dem thema "Modeikone Goethe? - Goethes Verhältnis zur Kleidung und Mode" am 15.11.2013 im MAKK

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Goethe variiert

Es hat der Autor,
wenn er schreibt
so was Gewisses,
das ihn treibt.*

es küsst den autor
wenn er denkt
gewisse muse
ihn beschenkt

es bringt der autor
wenn er tippt
dem publikum, was
ihn berückt

es neigt der autor
wenn er liest
zu dem gewissen
wie du siehst

es fehlt dem autor
wenn es blockt
so was gewisses
was ihn schockt

© 14.11.2013 brmu
*notat von J. W. Goethe vom 28. Aug. 1795 in das Stammbuch von Friedrich Maximilian Moors, aus: Hanna Fischer-Lamberg, Der junge Goethe, Bd. 1 August 1749 - März 1770, Walter de Gruyter Verlag 1999, seite 77

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Goethe wusste es sonett

ich sitze auf meinem kissen
und meditiere recht lang:
wir können so wenig wissen;
macht als ergebnis nicht bang. ...

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notruf 000

O Herr, aus tiefer not an diesem loch
schrei ich aus staub und lärm zu dir

30 tage nur
lass strömen den tagbau-tinnitus
vor allem nachts durch das ohr
die da vorgeben in scheeler art
das wohl des landes im auge zu haben

Herr, du weißt, dass da nur splitter sind …

4 wochen und dies ganz ohne pause
lass dröhnen den tagbau-tinnitus
besonders nachts in deren gehör
die arbeitsplätze geben und nehmen
zum wohle des dreisten mammons

Herr, du weißt, dass da heuschrecken sind …

1 monat nur lass es ewig dauern
lass höhnen den tagbau-tinnitus
in allen ohren rigidester macher
denen die anrainer schnuppe sind
unsere nerven liegen nun blank

Herr, du weißt, dass da nur geschachert wird …

bei all denen, die das ändern könnten
habe erbarmen mit ohr und lung
öffne ihnen kopf und herz
den notruf nimm nicht krumm

© 24.11.2012 brmu

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knete schotter kohle

was hat der bloß da für 'nen trick
dieser hanseatenredner 'brück
dass da so viel geld beifließt
sich millionenschwer ergießt

all über alles ganz legal natürlich!
legitim hingegen meint gebührlich
er nimmt halt was der markt ihm gibt
finde gebückt was auf der straße liegt

© 30.10.2012 brm ulbrich

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armut brennt

das karussel der begehrlichkeiten
beschleunigt unaufhaltsam und
du krallst dich fest und denkst
es wird schon werden wenn du
es bis in die mitte schaffst denn
dort heben sich die kräfte auf
das weiß man doch ganz allgemein
vom schönen schulunterricht

dort im zentrum bist du sicher
arm im geiste reich im tresor
doch wehe denen die da fliegen
in den staub der erde hin die
haben eben nichts gekonnt so
höre ich den kommentar der
unbarmherzigkeit bis alles
schleudert bricht und kracht

dann sehe ich schon alle greinen
und über ihre trümmer weinen:
das hat der gott gemacht
oder auch ein teufel lacht
nur eines kommt nicht vor
der mensch an sich: ein tor

© 24.10.2012 brm ulbrich

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