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Billers definition

„Denn Wahrheit ist ein anderes Wort für Poesie, und der Schmerz, den sie beim Autor und bei den Lesern auslöst, verwandelt überhaupt erst die Worte in Literatur.“ *

* zitat aus dem artikel „Letzte Ausfahrt Uckermark“ von Maxim Biller in DIE ZEIT, no. 9 vom 20.2.2014, feuilleton seite 46

man kräuselt die augenbrauen: wird doch wahrheit land auf land ab als das aufklärende, faktisch richtige, beweisbare begriffen und poesie im gegenteil als die kreative, erbauliche erfindung. was haben beide denn gemeinsam, sie in worten äquivalent zu setzen? wahrheit als das dahinter liegende eines umstandes lässt sich sehr wohl mit poesie vergleichen, denn diese arbeitet mit hinter den worten liegenden bedeutungen. ergo: das wesensgleiche ist die nicht-offensichtlichkeit, der aufwand, an das zu kommen, was verdeckt ist.

über den schmerz als eine drastische körperliche form der resonanz, die sowohl worte der wahrheit als auch worte der poesie auslösen können, weist die brücke zum verständnis. gehen wir hinüber, finden wir literatur. nun hat die juristische literatur ihren eigenen charme und verschließt sich der laienhaften rezeption. desgleichen oft genug die anspruchsvolle poesie, die literatenliteratur und dort besonders die lyrik, die sich von der alltagssprache weit entfernt. der schmerz des (nicht-) verstehens wandelt die sattsam bekannten worte in literatur, die nach ihren eigenen regeln verstanden werden will. wer den schlüssel der dekodierung nicht findet, bleibt außen vor: vor wahrheit=poesie.

© 21.02.2014 brmu

 

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