litbiss.de

braune kohle staubt im sturm

alles neu macht der Mai. denkt man sich so. aber der 5. und 6. Mai heuer machte alles alt und grau. ein veritabler sandsturm, anderntags gefolgt von einem nicht minder eindrecken­den kohlestaubsturm, beide fegten über unser dorf hinweg. büsche und bäume bogen sich. wo das war, fragst du? in Heppendorf, im geschürften lande.

diesmal kam der sand nicht aus der Sahara, viel zu seit weg. der kohlestaub kam nicht aus den kaminen, viel zu wenige hier. beides eher tonnenweise aus dem Tagebau Hambach. kein bach mehr ham’wa da, kein feld noch wald, nur ein monströses loch am tag und in der nacht den lichterschein. über 400 meter die steilwand hoch. die winde nehmen hurtig anlauf auf Sophies Höhe, der Kölner Dom wird blass, jagen lustig wirbelnd in die tiefe, was für ein spaß, steigen voller schwung, ganz thermisch, an der steilwand auf, schießen über rand und band, entladend ihre fracht auf haupt und haus. ein gar lustig treiben ist das in den lüften. der fall out knirscht dir zwischen zähnen.

wind und wetter, diese beiden. über den flözen muss die leichtheit wohl grenzenlos sein. das lässt an quellende brandfahnen denken, schwarz wie die nacht. waren da etwa messwagen on tour, in der neuen stadt benamt Elsdorf, zu messen stoffe wider die gesundheit der betroffenen? waren etwa sirenen im einsatz, zu gemahnen fenster und türen zu schließen? ist da nicht ein luftreinhalteplan gelagert in schubladen wo schlüssel fehlt? ach, ihr ewigen meckerer, ihr umweltfantasten, ihr spinner auf bäumen. das bisschen braune kohle in lunge und blut hat noch keinem geschadet, denkt sich der asthmatiker. sein husten quält die nachbarschaft.

wir brauchen strom und kein gejammer! und der arbeitsplätze viele, gleich welcher art für den bedarf. nichts für die enkel angedacht; erst kommt das fressen und dann ganz pastoral vielleicht der nächsten liebe oder gar moral. im quadrate der entfernung kümmert uns mitnichten, was viele von dem wetter dichten:

klimakiller aus dem schlot
mir ist das völlig egal
verdiene heut’ mein schönes brot
ersaufen sei der andern qual
soll’n nicht so faul herschauen
doch bess’re dämme bauen
und die orgel piepst dazu
schließe beide äuglein zu
.

bis wir sie wieder aufreißen, denn die rechnung wird präsentiert werden. die versicherungen pennen nicht. die wissen, was es kosten wird. zwanzig tornados pro jahr und mehr in petto. meterologen und aktuare, das sind in zukunft kluge paare, die uns rechnen können, was der polköpp dummheit uns alle kosten wird, jeglichem mit ansehn der person.

© 26.05.2015 brmu

 

Kommentare

Derzeit gibt es keine Kommentare. Schreibe den ersten Kommentar!
Gäste
Freitag, 28. April 2017

Sicherheitscode (Captcha)